„Die Klimaanlage lief, funktionierte aber nicht besonders gut“: So beschreibt Grundschullehrerin Martina Meijer einen Tag im New Yorker Sommerunterricht kurz vor dem Wochenende zum 4. Juli. Draußen wurden 100 Grad Fahrenheit erreicht, umgerechnet etwa 38 Grad Celsius. Vier Stunden blieb sie mit 15 Kindern im Klassenraum, weil es nach Auskunft der Schule auch für Sporthalle oder Außenpause zu gefährlich war. Der Fall steht für ein Problem, das Sommerschulen in städtischen wie ländlichen Regionen der USA zunehmend beschäftigt: Selbst klimatisierte Gebäude und angepasste Programme stoßen bei extremer Hitze an Grenzen.
- In New York musste eine Klasse trotz schwacher Kühlung vier Stunden im Raum bleiben.
- Schulen beendeten Unterricht vorzeitig, schlossen oder verlegten Aktivitäten nach drinnen.
- In Philadelphia wurden Schüler an 52 unzureichend klimatisierten Schulen früher entlassen.
- Geplante bundesweite Hitzeschutzregeln für Beschäftigte kommen vorerst nicht voran.
Meijer zufolge gab es für ihre Vertretungsstunde weder ein mitgeteiltes Programm noch einen Zeitplan. Die Hitze habe die Kinder träge gemacht und ihre Konzentration beeinträchtigt. Statt einer Pause außerhalb des Klassenraums sollte sie mit der Gruppe anhand von YouTube-Videos kurze Bewegungsübungen machen.
„Viele Kinder in der Sommerschule haben möglicherweise bereits schulische Schwierigkeiten“, sagt Elizabeth Bechard von der Umweltorganisation Moms Clean Air Force. Unter Bedingungen, in denen es zum Lernen zu heiß sei, könnten sie Versäumtes kaum wirksam aufholen.
Improvisierte Lösungen ersetzen bislang verbindliche Standards
Sommerschulprogramme sollen Kindern zusätzliche Lernangebote bieten oder dabei helfen, schulische Rückstände aufzuholen. Gerade deshalb trifft eingeschränkter Unterricht jene Schüler, die auf zusätzliche Förderung angewiesen sind. Das bedeutet: Ausgerechnet ein Angebot, das Bildungsnachteile verringern soll, kann bei unzureichendem Hitzeschutz an Wirksamkeit verlieren.
Kristen Hengtgen von UndauntedK12 erwartet, dass Schulen weiterhin auf kleinere Anpassungen setzen: Unterricht in klimatisierten Innenräumen, Trink- und Abkühlpausen, flexible Stundenpläne sowie Aktivitäten zu früheren Tageszeiten. Solche Maßnahmen können Belastungen reduzieren, lösen aber weder technische Ausfälle noch das Problem fehlender einheitlicher Vorgaben.
Bundesweite Vorschriften, die Beschäftigte wie Lehrkräfte durch verpflichtende Wasser- und Ruhepausen sowie kühle Rückzugsorte vor hitzebedingten Erkrankungen schützen würden, sind auf absehbare Zeit ins Stocken geraten. Damit bleibt viel Verantwortung bei Schulbezirken, einzelnen Schulen und dem Personal vor Ort.
Eltern bezweifeln, dass Hinweise allein Kinder schützen
Der Schulbezirk Philadelphia entließ am letzten Schultag Anfang Juni Kinder an 52 Schulen mit unzureichender Klimatisierung vorzeitig. Superintendent Tony Watlington Sr. erklärte, bei Temperaturen über 85 bis 90 Grad Fahrenheit – ungefähr 29 bis 32 Grad Celsius – würden Schüler früher nach Hause geschickt oder Schulen auf virtuellen Unterricht umgestellt. Lehrkräfte seien zudem darin geschult, Bedingungen zu vermeiden, die Dehydrierung oder einen Hitzschlag begünstigen könnten.
In Alexandria im Bundesstaat Virginia erhielten Eltern Ende Juni ein Schreiben mit Vorsichtsmaßnahmen für eine erwartete Hitzewelle. Fachleute warnten dort vor einem Hitzeindex von bis zu 112 Grad Fahrenheit, ungefähr 44 Grad Celsius. Beschäftigte sollten Aktivitäten im Freien begrenzen und auf Anzeichen von Hitzeerschöpfung achten.
Eine Mutter kritisierte jedoch, der Schutz hänge weiterhin vom Ermessen verschiedener Erwachsener ab: Familien wüssten nicht, wie gut diese tatsächlich darin geschult seien, Hitzeerschöpfung oder einen Hitzschlag zu erkennen.
Kinder können Hitze schlechter ausgleichen als Erwachsene
Bechard zufolge sind Kinder besonders anfällig für hitzebedingte Erkrankungen, weil sich ihre Temperaturregulation noch entwickelt. Sie schwitzten tendenziell weniger und atmeten schneller. Fehle auch zu Hause eine Klimaanlage, könne sich der Körper nach einem heißen Schultag nicht ausreichend erholen.
Mitte Juli zwang zudem Rauch kanadischer Waldbrände das New Yorker Programm Summer Rising, sämtliche Außenaktivitäten für Tausende Schüler nach drinnen zu verlegen. Kurze Bewegungspausen im Raum halten Kinder zwar zeitweise aktiv, ersetzen nach Einschätzung der Fachleute aber nicht die Möglichkeiten zum Spielen und Austoben im Freien.
Für Schulen auch außerhalb der USA liegt darin eine grundsätzliche Planungsfrage: Hitzeschutz betrifft nicht nur Gebäudetechnik, sondern ebenso Stundenpläne, Pausen, Ausbildung des Personals und klare Entscheidungswege. Verbindliche Kriterien würden bedeuten, dass Schutzmaßnahmen weniger stark von einzelnen Lehrkräften und kurzfristiger Improvisation abhängen.
Welche verbindlichen Hitzeregeln sollten Schulen Ihrer Ansicht nach für Unterricht, Pausen und Schulschließungen festlegen?

























