„Unsere Daten deuten darauf hin, dass der verfügbare Impfstoff gegen das Zaire-Ebolavirus auch zur Bekämpfung des aktuellen Bundibugyo-Ausbruchs beitragen könnte“, sagt Studienleiter Markus Hoffmann. Ein Team mehrerer deutscher Forschungseinrichtungen hat im Labor gezeigt, dass Antikörper von Geimpften den Eintritt der derzeit zirkulierenden Virusvariante in menschliche Zellen hemmen können. Die in The Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Untersuchung liefert damit einen möglichen Ansatz für den Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda. Zugleich mahnen die Forschenden, dass ein tatsächlicher Nutzen des Ebola-Impfstoffs für gefährdete Menschen noch nicht belegt ist.
- Antikörper nach einer Impfung mit VSV-ZEBOV-GP neutralisierten in den meisten untersuchten Proben auch Pseudoviren mit dem Bundibugyo-Glykoprotein.
- Die Hemmung fiel schwächer aus als bei Pseudoviren mit dem Glykoprotein des Zaire-Ebolavirus.
- Bis zum 17. Juli 2026 bestätigte die WHO 2.124 Infektionen und 828 Todesfälle.
- Für das Bundibugyo-Ebolavirus gibt es derzeit weder zugelassene Impfstoffe noch zugelassene Therapeutika.
„Dies ist bereits der größte dokumentierte Ausbruch dieser Ebolavirus-Spezies“, sagt Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum.
Die ersten Infektionen wurden im Mai 2026 im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Seitdem breitete sich der Ausbruch weiter aus und erreichte das benachbarte Uganda. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren bis zum 17. Juli 2.124 Fälle bestätigt; 828 infizierte Menschen starben. Ein Ende der Ausbreitung ist bislang nicht absehbar.
Die Forschenden sehen ein Signal, aber noch keinen Schutzbeleg
Für ihre Versuche verwendeten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Serumproben von Menschen, die in einer früheren klinischen Studie den Vektorimpfstoff VSV-ZEBOV-GP erhalten hatten. Die darin enthaltenen Antikörper verhinderten bei den meisten Proben, dass Pseudoviren mit dem Glykoprotein der aktuellen Bundibugyo-Variante in menschliche Zellen eindrangen.
Allerdings funktionierte die Neutralisierung weniger effizient als bei Pseudoviren, die das Glykoprotein des Zaire-Ebolavirus trugen. Der Impfstoff ist gegen diese Virusart entwickelt und zugelassen worden, nicht gegen Bundibugyo.
Das bedeutet: Die Laborergebnisse eröffnen eine mögliche Übergangslösung, belegen aber weder, dass die Impfung Infektionen verhindert, noch dass sie vor schweren Krankheitsverläufen schützt.
Hoffmann begrenzt deshalb die Aussagekraft ausdrücklich. Die Ergebnisse müssten zunächst mit infektiösem Bundibugyo-Ebolavirus bestätigt werden. Darüber hinaus seien weitere Untersuchungen nötig, um den klinischen Nutzen eines Einsatzes von Zaire-Ebola-Impfstoffen im laufenden Ausbruch zuverlässig bewerten zu können.
Die aktuelle Variante zeigte keine höhere Zellinfektiosität
Das Team untersuchte außerdem, ob die derzeit zirkulierende Bundibugyo-Variante leichter in menschliche Zellen gelangt als frühere Varianten. Anlass war eine Mutation im Glykoprotein einer Zaire-Ebolavirus-Variante aus der westafrikanischen Epidemie von 2014 bis 2016, die den Eintritt in menschliche Zellen wahrscheinlich erleichtert hatte.
Für die Analyse stellten die Forschenden nicht vermehrungsfähige Pseudoviren her, die mit Glykoproteinen unterschiedlicher Ebolaviren ausgestattet waren. Anschließend testeten sie deren Eintritt in Makrophagen und dendritische Zellen, die zu den wichtigsten Zielzellen von Ebolaviren gehören. Hinweise auf eine erhöhte Infektiosität der aktuellen Bundibugyo-Variante fanden sie nicht.
Pseudoviren erlauben es, einzelne Schritte wie den Zelleintritt und dessen Blockade kontrolliert zu untersuchen, ohne mit einem vermehrungsfähigen Erreger zu arbeiten. Für die Einordnung ist diese Trennung entscheidend: Eine Neutralisierung im Labor ist ein biologisches Signal, ersetzt aber keine Untersuchung der Schutzwirkung bei Menschen.
Deutsche Institute bündeln ihre Ebola-Forschung
An der Studie waren das Deutsche Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung, das TWINCORE-Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und die Charité – Universitätsmedizin Berlin beteiligt. Erstautor und Studienleiter ist Markus Hoffmann.
Vier Ebolavirus-Spezies können beim Menschen Erkrankungen auslösen. Größere Ausbrüche gingen bislang vor allem auf das Zaire-Ebolavirus zurück; für diese Spezies stehen inzwischen zugelassene Impfstoffe und Therapeutika bereit. Gegen das Bundibugyo- und das Sudan-Ebolavirus fehlen solche medizinischen Gegenmaßnahmen derzeit.
Für die betroffenen Staaten würde eine bestätigte Kreuzschutzwirkung bedeuten, dass ein bereits verfügbarer Ebola-Impfstoff eingesetzt werden könnte, während spezifische Impfstoffe und Medikamente noch entwickelt und klinisch geprüft werden. Ob die nun gemessene Antikörperwirkung dafür ausreicht, bleibt jedoch die zentrale offene Frage.

























