Die Amazon-Tochter Zoox darf ihre eigens entwickelten Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale in den USA erstmals begrenzt kommerziell einsetzen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA erteilte dem Unternehmen eine befristete Ausnahmegenehmigung für bis zu 2.500 Fahrzeuge pro Jahr in den kommenden zwei Jahren. Zoox kann damit Fahrgäste gegen Bezahlung befördern, sobald auch die jeweils zuständigen Bundesstaaten und Kommunen zustimmen. Nach Angaben der Behörde handelt es sich um die erste kommerzielle Genehmigung dieser Art für ein autonomes Fahrzeug, das vollständig ohne herkömmliche Bedienelemente für einen menschlichen Fahrer konstruiert wurde.
- Zoox darf jährlich bis zu 2.500 lenkradlose Robotaxis kommerziell einsetzen.
- Die Ausnahmegenehmigung der NHTSA gilt für die kommenden zwei Jahre.
- Bezahlte Fahrten sollen zunächst in Las Vegas angeboten werden.
- Zusätzliche Melde- und Aufsichtspflichten sollen den begrenzten Betrieb begleiten.
Acht Ausnahmen ermöglichen das fahrerlose Fahrzeugkonzept
Die elektrisch angetriebenen Zoox-Fahrzeuge ähneln in ihrer Form eher einem kleinen Shuttle als einem herkömmlichen Pkw. Hinter breiten Schiebetüren befinden sich zwei einander zugewandte Sitzreihen. Einen Fahrersitz, ein Lenkrad oder Pedale gibt es nicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 75 Meilen pro Stunde, also gut 120 Kilometern pro Stunde.
Damit dieses Konzept auf öffentlichen Straßen kommerziell eingesetzt werden kann, nimmt die NHTSA Zoox von acht Bundesvorschriften aus. Diese verlangen unter anderem klassische Bedienelemente sowie Ausrüstung, die auf ein Fahrzeug mit menschlichem Fahrer zugeschnitten ist.
Die Entscheidung beseitigt damit eine regulatorische Hürde für Fahrzeuge, die von Anfang an ausschließlich für computergesteuertes Fahren entworfen wurden.
Das unterscheidet Zoox etwa von Waymo: Das Google-Schwesterunternehmen rüstet herkömmliche Autos für den autonomen Betrieb um. Tesla hat zwar bereits eine Kleinserie seines ebenfalls lenkradlosen Cybercab gebaut und Fahrzeuge auf US-Straßen eingesetzt, besitzt dafür den Berichten zufolge aber bislang keine entsprechende kommerzielle Genehmigung.
Die Freigabe bleibt an engmaschige Aufsicht gebunden
Die Bundesgenehmigung ist kein uneingeschränkter Startschuss. NHTSA-Direktor Jonathan Morrison erklärte, die Systeme von Zoox erfüllten oder überträfen die entsprechenden Leistungsanforderungen regelkonformer Fahrzeuge. Zugleich müsse die Behörde weiter prüfen, ob das automatisierte Fahrsystem im Betrieb ordnungsgemäß arbeite.
Zoox muss deshalb zusätzliche Berichte zu Unfällen und Vorfällen wie unsachgemäßem Anhalten auf Straßen vorlegen. Die NHTSA kann ihre Auflagen anpassen und die Ausnahmegenehmigung bei größeren Sicherheitsproblemen zurückziehen. Beschäftigte in Kontrollzentren, die Fahrzeuge in Notfällen aus der Ferne steuern können, müssen in den USA ansässig sein. Zudem soll Zoox Karten seiner Einsatzgebiete veröffentlichen. Ein Verkauf der Fahrzeuge an Privatkunden ist nicht erlaubt.
Zuvor hatte Zoox 105 autonome Fahrzeuge für eine Softwareaktualisierung zurückgerufen. Hintergrund war die Möglichkeit, dass die Systeme starken Rauch insbesondere bei laufenden Notfalleinsätzen nicht erkennen könnten. Kritiker autonomer Fahrzeuge verweisen zudem grundsätzlich auf Fälle, in denen fahrerlose Autos Verkehrsteilnehmer erfassten, auf Straßen stehen blieben oder Einsatzkräfte behinderten.
Für Zoox bedeutet die Ausnahme daher nicht weniger Kontrolle, sondern einen kommerziellen Testbetrieb mit erweiterten Meldepflichten und einer widerrufbaren Erlaubnis.
Las Vegas soll den Anfang bei bezahlten Fahrten machen
Bislang bot Zoox kostenlose Fahrten in Teilen von Las Vegas und San Francisco an. Bezahlte Fahrten sollen im kommenden Monat zunächst in Las Vegas beginnen. In Kalifornien arbeitet das Unternehmen noch mit den zuständigen Behörden an den erforderlichen Freigaben. Auch Austin und Miami gehören zu den angekündigten weiteren Märkten.
Die Trennung der Zuständigkeiten ist dabei entscheidend: Die NHTSA beurteilt die Einhaltung beziehungsweise die gleichwertige Erfüllung bundesweiter Fahrzeugsicherheitsstandards. Ob und unter welchen Bedingungen ein Robotaxi-Dienst tatsächlich vor Ort starten darf, entscheiden zusätzlich Bundesstaaten und Kommunen. Die neue Genehmigung bedeutet deshalb nicht, dass Zoox seine gesamte genehmigte Flotte sofort oder überall einsetzen kann.
Für Deutschland und andere europäische Länder hat die Entscheidung keine unmittelbare rechtliche Wirkung. Sie zeigt jedoch, wie Aufsichtsbehörden mit Fahrzeugen umgehen können, deren Bauform nicht mehr zu Vorschriften passt, die einen menschlichen Fahrer voraussetzen: über zeitlich und zahlenmäßig begrenzte Ausnahmen, zusätzliche Datenerfassung und die Möglichkeit, Auflagen nachträglich zu verschärfen.
Wären zeitlich begrenzte Testgenehmigungen mit strenger Aufsicht auch für lenkradlose Robotaxis in Deutschland ein sinnvoller Weg?

























