Apple hat in seinem Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsquartal 109,4 Milliarden US-Dollar umgesetzt und damit 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Gewinn stieg um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar. Dennoch gerieten die Apple-Zahlen am Donnerstag an der Wall Street unter Druck: Konzernchef Tim Cook warnte in seiner letzten Bilanzkonferenz als CEO vor erheblichen Lieferengpässen bei wichtigen Bauteilen. Die Aktie verlor nachbörslich zeitweise fast acht Prozent. Am 1. September soll Hardwarechef John Ternus die Konzernspitze übernehmen.
- Der iPhone-Umsatz wuchs um 22 Prozent auf rund 54,3 Milliarden US-Dollar.
- Die Mac-Erlöse legten um 29 Prozent auf rund 10,3 Milliarden Dollar zu.
- Apple erwartet im laufenden Quartal deutlich stärkere Lieferbeschränkungen bei iPhone, Mac und iPad.
- John Ternus übernimmt am 1. September den CEO-Posten von Tim Cook.
Preiserhöhungen und vorgezogene Käufe stützten das Quartal
Bereits vor der Vorlage der Apple-Zahlen zeichnete sich ein widersprüchliches Bild ab. Im Juni hatte der Konzern die Preise mehrerer Macs, iPads und weiterer Geräte angehoben, um gestiegene Kosten für Speicherchips auszugleichen. Das iPhone war von diesen Preisschritten zunächst nicht betroffen.
Zugleich ersetzten Kunden ihre iPhones und MacBooks verstärkt durch neuere Modelle. Neben der Nachfrage nach den Geräten spielten dabei Sorgen vor angekündigten oder möglichen Preissteigerungen eine Rolle. Ein Teil des Absatzes könnte damit zeitlich vorgezogen worden sein, statt dauerhaft zusätzlich zu entstehen.
Speicherchips werden nicht nur für Computer und Smartphones benötigt, sondern auch in Rechenzentren für Anwendungen künstlicher Intelligenz. Steigt dort die Nachfrage, konkurrieren Gerätehersteller und Betreiber von KI-Infrastruktur um dieselben Bauteile. Für Apple bedeutet das höhere Einkaufskosten und weniger Spielraum in der Lieferkette.
Starke Hardwareverkäufe übertreffen das schwächere Servicegeschäft
Im abgelaufenen Quartal erwies sich vor allem das iPhone als Wachstumsmotor. Seine Erlöse kletterten um 22 Prozent auf 54,2 beziehungsweise gerundet 54,3 Milliarden US-Dollar. Macs erreichten nach einem Plus von 29 Prozent rund 10,3 Milliarden Dollar.
Weniger überzeugend fiel das Servicegeschäft aus, zu dem unter anderem der App Store, Apple TV, Apple Music, iCloud und AppleCare gehören. Der Umsatz erhöhte sich um rund zwölf Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar, blieb aber unter den Erwartungen der Analysten.
Auch Rückzahlungen zuvor verbuchter US-Importzölle verbesserten das Ergebnis. Sie erhöhten den Gewinn je Aktie um elf Cent; dieser belief sich insgesamt auf 2,02 Dollar.
Die außergewöhnlich guten Vergangenheitswerte sagen damit nur begrenzt aus, wie sich Apples Geschäft unter höheren Kosten und knapperen Bauteilen im laufenden Quartal entwickeln wird.
Cook warnt in seiner letzten Bilanzkonferenz vor Engpässen
Während der anschließenden Telefonkonferenz beschrieb Cook die Lage bei Speicherpreisen als eine Art „Jahrhundertflut“. Der Markt für DRAM-Speicher werde im Wesentlichen von Micron, SK Hynix und Samsung beherrscht. Mehr Anbieter könnten nach seiner Einschätzung sowohl die Versorgung als auch die Preisentwicklung verbessern.
Zusätzlich reichen laut Apple die Fertigungskapazitäten für die vom Konzern entwickelten Smartphone- und Computerprozessoren nicht aus. Produziert werden diese Chips beim taiwanischen Auftragsfertiger TSMC. Finanzchef Kevan Parekh kündigte an, dass die Einschränkungen im nächsten Quartal erheblich zunehmen und iPhones, Macs sowie iPads betreffen dürften.
Apple rechnet deshalb beim Konzernumsatz nur noch mit einem Wachstum von etwa neun bis elf Prozent. Für das iPhone stellt das Unternehmen ein Plus von ungefähr 15 Prozent in Aussicht – nach 22 Prozent im gerade abgeschlossenen Quartal. Die zurückhaltende Prognose erklärt, weshalb Anleger trotz Umsatz- und Gewinnwachstum verkauften.
Für Kunden bedeutet die Warnung zunächst ein Risiko für Verfügbarkeit und Preise; ob und in welchem Umfang deutsche Käufer konkret betroffen sein werden, geht aus Apples Angaben jedoch nicht hervor.
Am 1. September beginnt die Ära Ternus
Als Nächstes steht bei Apple der Führungswechsel an. John Ternus, bislang für die Hardwareentwicklung verantwortlich, soll am 1. September den CEO-Posten übernehmen. Cook wechselt anschließend an die Spitze des Verwaltungsrats.
Damit erbt Ternus einen Konzern mit wachsenden Hardwareumsätzen, aber zugleich mit knappen Komponenten, steigenden Speicherkosten und einem Servicegeschäft unter den Markterwartungen. Für seine ersten Quartale wird entscheidend sein, wie Apple diese Beschränkungen bewältigt, ohne Nachfrage und Gewinnmargen stärker zu belasten.
Wie bewerten Sie Apples Lage: Überwiegen die starken Verkaufszahlen oder die Risiken durch Chipknappheit und höhere Preise?

























