Ein neuer Förderpreis an der Parsons School of Design rückt die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Modeausbildung in den Fokus – ein Thema, das auch Hochschulen und Modeunternehmen im deutschsprachigen Raum betrifft. Die Unternehmerin, Investorin und Net-a-Porter-Mitgründerin Carmen Busquets richtet über ihre Stiftung den Carmen Busquets Award for Disabled Fashion Students ein. Vorgesehen ist eine jährliche Förderung von 12.500 US-Dollar, je nach Wechselkurs rund 10.700 Euro, für Studierende im Studiengang MPS Fashion Management. Bewerbungen sollen im Herbst möglich sein.
- Der Förderpreis läuft bis einschließlich des Studienjahres 2027/2028.
- Ausgewählte Studierende erhalten jährlich 12.500 US-Dollar und Zugang zu einem bestehenden Förderprogramm.
- Über die Vergabe entscheiden Dekan Dr. Ben Barry und ein gewähltes Mitglied des Lehrkörpers.
Finanzielle Förderung wird mit Mentoring verbunden
Der Preis entsteht in Zusammenarbeit zwischen der Carmen Busquets Foundation und Parsons. Er richtet sich an Studierende mit Behinderungen im MPS-Programm Fashion Management. Die Auswahl erfolgt während des Bewerbungsverfahrens durch Dr. Ben Barry, den Dekan für Mode, und ein gewähltes Fakultätsmitglied.
Zum Preis gehört außerdem die Teilnahme am Disabled Fashion Student Program der Hochschule. Parsons hatte dieses Angebot 2023 gemeinsam mit Tilting the Lens von Sinéad Burke eingerichtet. Es unterstützt jedes Jahr fünf Studierende mit Zuschüssen und Mentoring.
Die Kombination aus Geld und persönlicher Begleitung bedeutet, dass nicht nur unmittelbare Ausbildungskosten adressiert werden, sondern auch der Zugang zu Erfahrung und beruflichen Kontakten.
Gerade für die Modeausbildung im deutschsprachigen Raum ist dieses Modell als Beispiel relevant: Finanzielle Barrieren und fehlende Zugänge zu Netzwerken sind unterschiedliche Probleme und lassen sich nicht zwangsläufig mit einem einzelnen Instrument lösen. Der Parsons-Ansatz verbindet deshalb materielle Unterstützung mit einer bereits bestehenden Förderstruktur.
Busquets macht ihre eigene Behinderung zum Ausgangspunkt
Busquets ist teilweise gehörlos und trägt Hörgeräte. Nach eigener Darstellung prägte diese Erfahrung auch ihre berufliche Laufbahn. Die visuelle und kreative Arbeitsweise der Mode habe sie besonders angesprochen.
Barry würdigte Busquets als gehörlose Führungspersönlichkeit in der Modewirtschaft. Mit ihrer Initiative mache sie sichtbar, welche Rolle Menschen mit Behinderungen in der Branche spielten, und eröffne zugleich Wege für die nächste Generation.
Auch Steven Kolb, Präsident des Council of Fashion Designers of America, betonte den Wert unterschiedlicher Erfahrungen im Designprozess. Studierende mit Behinderungen brächten Perspektiven ein, die Menschen ohne diese Erfahrungen nicht kennen könnten.
Für Modeunternehmen bedeutet mehr Teilhabe in der Ausbildung potenziell auch mehr Wissen darüber, wie Produkte und Prozesse für unterschiedliche Bedürfnisse gestaltet werden können.
Die Stiftung soll Busquets’ Engagement langfristig bündeln
Die Carmen Busquets Foundation wurde 2025 gegründet. Busquets begann zudem mit dem Verkauf von Teilen ihrer Garderobe, um die Stiftung zu unterstützen und ihre Sammlung weiterzugeben. Der neue Parsons-Preis erweitert dieses Engagement nun um eine mehrjährige Bildungsförderung.
Busquets verbindet die Initiative mit grundsätzlicher Kritik an Perfektionsbildern in der Mode. Die Branche habe eine Verantwortung, anpassungsfähiger und inklusiver zu werden. Besonders soziale Medien hätten eine Welt mitgeprägt, in der in der Mode alles perfekt erscheinen müsse. Ihre Botschaft: Es sei in Ordnung, nicht perfekt zu sein.
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