„Der Regen ist natürlich ein kleiner Segen für uns“: Mit vorsichtiger Erleichterung hat der Monschauer Einsatzleiter Philipp Krüger am Montag auf die Entwicklung beim Waldbrand im Hohen Venn reagiert. Das Feuer in dem belgischen Naturschutzgebiet rückte in der Nacht nicht weiter in Richtung Deutschland vor. Rund 30 Bewohner aus 17 Häusern in Monschau-Kalterherberg, die am Sonntagabend wegen einer möglichen starken Rauchbelastung ihre Wohnungen verlassen mussten, können dennoch vorerst nicht zurückkehren. Seit dem Ausbruch am Freitag verbrannten auf belgischer Seite rund 3.000 Hektar Vegetation.
- Das Feuer im Hohen Venn rückte in der Nacht zum Montag nicht weiter in Richtung Deutschland vor.
- Rund 30 Menschen aus Monschau-Kalterherberg bleiben vorerst evakuiert.
- Mehr als 250 Einsatzkräfte sind auf belgischer Seite an den Löscharbeiten beteiligt.
- Die Bundeswehr stellt zwei Hubschrauber mit Löschwasserbehältern bereit.
Regen und Windstille entschärfen die Lage vor Monschau
Die Nacht sei sehr ruhig verlaufen, sagte Krüger. Man habe die Situation „etwas entschärfen“ können. Neben dem einsetzenden Regen helfe, dass es derzeit verhältnismäßig windstill sei. Der Niederschlag allein könne den Brand allerdings nicht löschen.
Weitere Evakuierungen sind nach Angaben des Einsatzleiters momentan nicht geplant: „Die nächste Linie zur weiteren Evakuierung liegt noch weit, weit entfernt.“
Auch Franz-Karl Boden, Stellvertreter der Monschauer Bürgermeisterin, rechnet derzeit nicht damit, dass die Flammen auf deutsches Gebiet überspringen. Zuvor hatte die Feuerwehr berichtet, das Feuer sei bis auf etwa 300 Meter an die später evakuierten Gebäude herangerückt.
Die meisten Betroffenen kamen bei Freunden oder Verwandten unter. Vier Menschen nutzten Auffangeinrichtungen. Nach Bodens Angaben wurden alle Bewohner in persönlichen Gesprächen über die Räumung informiert und reagierten verständnisvoll.
Auf deutscher Seite sind Krüger zufolge 200 bis 250 Kräfte im Einsatz. Wiesen zwischen dem Brand und den Häusern wurden nach Angaben der örtlichen Feuerwehr stundenlang bewässert, um eine weitere Ausbreitung zu erschweren. Die Entspannung bleibt dennoch vorläufig: Zuvor hatte eine Stadtsprecherin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die Lage jederzeit ändern könne.
Torf und schwieriges Gelände behindern die Brandbekämpfung
Auf belgischer Seite bewerteten die Behörden die Situation weiterhin als „kompliziert“. Wechselnde Windrichtungen erschwerten die Löscharbeiten. Hinzu kommt das Gelände des Hohen Venns: In den Torf- und Heideflächen kann schweres Gerät einsinken, weshalb die Einsatzkräfte bislang nicht bis zum Ausbruchsort vordringen konnten. Die Ursache des Waldbrands ist weiterhin unklar.
Der belgische Feuerwehrkommandant Luc Burette beschrieb das Problem so: „Der Boden besteht aus Torf, an der Oberfläche ist Gras. Dadurch kann sich das Feuer schnell ausbreiten.“ Der Biologe Tobias Ceulemans verwies gegenüber der Zeitung „Nieuwsblad“ auf die frühere Entwässerung von Moorflächen für Fichtenforste. Auf solchen Böden müsse Nutzforst seiner Ansicht nach verboten werden.
Für Monschau bedeutet die derzeitige Wetterberuhigung daher noch keine endgültige Entwarnung: Unterirdisch schwelender Torf und erneute Windwechsel könnten die Löscharbeiten weiter erschweren.
Europäische Hilfe verstärkt die Löscharbeiten
Mehr als 250 Kräfte aus Belgien und Deutschland bekämpfen den Waldbrand. Die Niederlande schickten zwei Löschflugzeuge; zusätzliche Hubschrauber aus Tschechien und Löschflugzeuge aus Schweden sollten hinzukommen. EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib stellte außerdem weitere Unterstützung aus Deutschland und Norwegen in Aussicht. Belgiens Regierungschef Bart De Wever dankte den beteiligten Ländern.
Die Bundeswehr stellt zwei Hubschrauber mit Löschwasserbehältern zur Verfügung. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums ist der Einsatz zunächst für sieben Tage vorgesehen. Die grenzüberschreitende Unterstützung ist praktisch entscheidend, weil das Feuer zwar in Belgien brennt, Rauch und eine mögliche Ausbreitung aber unmittelbar deutsche Wohngebiete betreffen.
Der Brand gilt als größter Waldbrand in der jüngeren Geschichte Belgiens. Für die Region kommt er zu einer angespannten Lage hinzu: Im rund 20 Kilometer entfernten Hürtgenwald waren etwa 300 Hektar betroffen. Dort konnte die weitere Ausbreitung gestoppt werden, zahlreiche Glutnester müssen jedoch weiterhin gelöscht werden.




























