Auf Kauaʻi soll früh im kommenden Jahr ein neues Betreuungszentrum mit 32 Plätzen für Kinder im Alter von sechs Wochen bis drei Jahren öffnen. Die Inselverwaltung lässt dafür einen ehemaligen Supermarkt umbauen. Das Vorhaben würde das Angebot deutlich ausweiten: Derzeit gibt es auf der hawaiianischen Insel nur rund 30 Plätze für Säuglinge und Kleinkinder – genug für etwa vier Prozent der dortigen Babys. Über weite Teile der vergangenen 15 Jahre hatte keine reguläre Betreuungseinrichtung auf Kauaʻi überhaupt einen Platz für diese Altersgruppe angeboten.
- Das geplante Zentrum soll 32 Kinder zwischen sechs Wochen und drei Jahren aufnehmen.
- Aktuell stehen auf Kauaʻi etwa 30 Plätze für Säuglinge und Kleinkinder zur Verfügung.
- Jedes Jahr werden auf der Insel rund 700 Babys geboren.
- Für einen Betreuungsplatz müssen nach den hawaiianischen Regeln vier Säuglinge von einer Fachkraft betreut werden.
Erste reguläre Plätze entstanden erst ab 2024
Die Betreuungslücke auf Kauaʻi ist über Jahre zum Alltag geworden. Zwar gibt es auf der Militärbasis Plätze, diese sind jedoch Familien von Militärangehörigen vorbehalten. Daneben existierten traditionell etwa 22 lizenzierte Angebote in Privathaushalten. Sie dürfen höchstens zwei Kinder unter 18 Monaten aufnehmen; viele betreuen allerdings nur einen Säugling oder gar keinen. Insgesamt kamen so lediglich etwa zehn bis 14 Plätze zusammen.
Erst 2024 eröffnete das Kauaʻi Montessori Project in Līhuʻe mithilfe von Fördermitteln aus der Pandemiezeit zwölf Plätze für Babys und Kleinkinder. 2025 folgte das erste Early-Head-Start-Zentrum der Insel mit acht Plätzen für Kinder aus Familien mit besonders niedrigem Einkommen. Solche Einrichtungen verbinden frühe Förderung mit Betreuung und richten sich gezielt an wirtschaftlich belastete Haushalte.
Allein die Warteliste des Early-Head-Start-Zentrums würde nach Angaben von Programmleiterin Novelyn Hinazumi ausreichen, um drei weitere Einrichtungen zu füllen.
Das kommende Zentrum in dem umgebauten Ladenlokal ist daher mehr als eine einzelne Baumaßnahme. Für Kauaʻi bedeutet es eine erhebliche Kapazitätserweiterung, ohne den Bedarf vollständig zu decken. Anders als auf dem Festland können Eltern nicht einfach in den nächsten Ort pendeln: Wer auf der nur 33 Meilen, also rund 53 Kilometer, breiten Insel keine Betreuung findet, hat ohne einen Umzug kaum räumliche Alternativen.
Familien gleichen den Mangel durch unbezahlte Betreuung aus
Viele Haushalte organisieren die Betreuung bislang innerhalb der Familie. Großmütter und Tanten springen ein, Kinder werden mit zur Arbeit genommen oder Eltern suchen Tätigkeiten, die sich von zu Hause erledigen lassen. Häufig geben insbesondere Mütter ihre Erwerbsarbeit ganz auf. Laut einer Umfrage der Chamber of Commerce Hawaiʻi aus dem Jahr 2025 berichtete mehr als die Hälfte der Eltern im Bundesstaat, wegen Betreuungsproblemen den Arbeitsplatz verlassen zu haben.
Die Pandemie verschärfte die Lage auf Kauaʻi. Bis 2023 hatten fünf häusliche Betreuungsangebote geschlossen. Zugleich ruhte der für die Insel wichtige Tourismus während großer Teile des Jahres 2020, während sich die Probleme mit bezahlbarem Wohnraum vergrößerten. Damit konnten es sich weniger Familien leisten, dass ein Elternteil ohne Erwerbseinkommen zu Hause blieb.
Der Betreuungsmangel ist damit nicht nur ein Problem der frühen Bildung, sondern beeinflusst unmittelbar, ob Eltern arbeiten und Familien auf der Insel bleiben können.
Die alleinerziehende Aakara Wiegand etwa nimmt ihre zweijährige Tochter zu ihrer Arbeit bei einer Autovermietung mit. Ihre zusätzlichen Wellness-Veranstaltungen kann sie nach eigenen Angaben nur noch etwa halb so oft durchführen. Eine Betreuungsperson kostet auf Kauaʻi üblicherweise 35 bis 40 US-Dollar pro Stunde, umgerechnet grob 30 bis 34 Euro – für Wiegand ist das nicht bezahlbar. Weil eine bereits organisierte Betreuung kurzfristig ausfiel, musste sie zudem eine Darmspiegelung absagen. Sie erwägt inzwischen einen Umzug nach North Carolina.
Personal- und Flächenregeln verteuern neue Angebote
Der Aufbau weiterer Plätze ist besonders kostspielig. Hawaiʻis Zulassungsregeln schreiben in Gruppen mit Säuglingen eine Betreuungskraft für jeweils vier Kinder vor. Außerdem müssen pro Kind 35 Quadratfuß Spiel- oder Unterrichtsfläche sowie 75 Quadratfuß Außenfläche vorhanden sein – ungefähr 3,3 beziehungsweise sieben Quadratmeter.
Solche Vorgaben dienen der Betreuungsqualität, begrenzen aber zugleich die Zahl der Kinder pro Fachkraft und Raum. Auf Kauaʻi trifft das auf knappen Wohn- und Gewerberaum. Das erklärt, warum eine erkennbare Nachfrage allein nicht automatisch zu neuen Angeboten führt: Betreiber benötigen gleichzeitig geeignetes Personal, ausreichend Fläche und eine Finanzierung, die die hohen laufenden Kosten trägt.
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