Für die Knochengesundheit könnte die Intensität der Bewegung wichtiger sein als die reine Trainingsmenge. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2026 in der Fachzeitschrift Sports Medicine – Open veröffentlichte Meta-Analyse der Semmelweis-Universität. Das Forschungsteam wertete 24 klinische Studien mit insgesamt 1.238 gesunden Erwachsenen aus. Besonders deutlich veränderten sich Marker der Knochenbildung bei Sportarten mit explosiven Bewegungen, schnellen Richtungswechseln und Drehungen. Freizeitfußball und Handball schnitten dabei besser ab als Gehen, Step-Aerobic oder klassisches Krafttraining im Fitnessstudio.
- Die Meta-Analyse umfasst 24 klinische Studien mit insgesamt 1.238 gesunden Erwachsenen.
- Bei Freizeitfußball und Handball stiegen Substanzen, die mit Knochenbildung verbunden sind, um 45 bis 46 Prozent.
- Untersucht wurden Blutmarker des Knochenumbaus und nicht Veränderungen der Knochenmineraldichte.
Explosive Bewegungen zeigen die stärksten Veränderungen
Die Forschenden verglichen nicht nur Ausdauer-, Kraft- und kombinierte Trainingsformen. Sie bezogen auch Intensität, Häufigkeit und Dauer der Bewegung ein. Am wirksamsten für die untersuchten Marker waren demnach hochintensive Aktivitäten, bei denen der Körper häufig beschleunigt, abbremst, die Richtung wechselt oder sich dreht.
Bei Freizeitfußball und Handball wurden Anstiege von 45 bis 46 Prozent bei Substanzen festgestellt, die mit der Bildung neuen Knochengewebes verbunden sind. Gehen, Step-Aerobic und herkömmliche Widerstandsübungen im Fitnessstudio waren in der Auswertung insgesamt weniger wirksam.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Knochen einen stärkeren mechanischen Reiz benötigen als jenen, den Bewegung mit niedriger oder mittlerer Intensität allein erzeugt.
Überraschend war nach Angaben der Forschenden insbesondere das Resultat zum Krafttraining: Obwohl mehrere fachliche Leitlinien solche Übungen zur Unterstützung der Knochengesundheit empfehlen, zeigte die Analyse keinen signifikanten Effekt auf die betrachteten Marker des Knochenstoffwechsels. Auch Gehen oder Joggen mit niedriger bis mittlerer Intensität hatte demnach keinen bedeutsamen langfristigen Effekt auf diese Messwerte.
Das stellt die allgemeinen gesundheitlichen Vorteile solcher Aktivitäten nicht infrage. Die Untersuchung beantwortet vielmehr eine engere Frage: Welche Trainingsreize hängen besonders deutlich mit kurzfristig messbaren Vorgängen der Knochenbildung zusammen?
Blutmarker liefern frühe Signale, aber keinen Frakturnachweis
Anders als Untersuchungen zur Knochenmineraldichte erfassten die ausgewerteten Studien bestimmte Substanzen im Blut. Solche Biomarker können bereits innerhalb weniger Wochen anzeigen, ob der Körper Prozesse zur Bildung neuen Knochengewebes aktiviert. Veränderungen der Knochendichte lassen sich dagegen nicht ebenso früh erkennen.
Damit zeigt die Meta-Analyse ein biologisches Signal – sie belegt jedoch nicht, dass Fußball oder Handball tatsächlich Osteoporose oder Knochenbrüche verhindern.
Diese Abgrenzung ist für die Einordnung entscheidend. Untersucht wurden gesunde Erwachsene, nicht speziell Menschen mit Osteoporose oder anderen Erkrankungen. Für diese Gruppen lassen sich die Ergebnisse deshalb nicht ohne Weiteres übertragen. Ebenso wenig folgt aus den Daten, dass bestehende Bewegungsempfehlungen durch eine einzige Trainingsform ersetzt werden sollten.
Künftige Programme könnten Intensität stärker berücksichtigen
Nach Einschätzung des Forschungsteams können die Erkenntnisse dabei helfen, evidenzbasierte Bewegungsprogramme zur Erhaltung der Knochengesundheit und zur Vorbeugung von Osteoporose weiterzuentwickeln. In der Praxis würde das bedeuten, neben Trainingsart und -umfang stärker darauf zu achten, welche mechanischen Belastungen eine Aktivität tatsächlich erzeugt.
Zugleich warnen die Forschenden davor, unvermittelt mit hochintensivem Training zu beginnen. Das gilt besonders für Menschen mit Herz-Kreislauf-, Muskel-Skelett- oder Stoffwechselerkrankungen sowie für Personen mit Osteoporose. Vor einer neuen oder deutlich anspruchsvolleren Trainingsform sollten sie mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem Arzt, der hausärztlichen Praxis oder der Sportmedizin klären, ob Belastung und Intensität zu ihrem Gesundheitszustand passen.
Sollten Sport- und Bewegungsprogramme für die Knochengesundheit häufiger Übungen mit Richtungswechseln und explosiven Bewegungen enthalten? Teilen Sie Ihre Einschätzung.




























