Auch für ältere Menschen im deutschsprachigen Raum ist die Frage alltäglich: Soll ein schmerzendes Knie geschont oder bewegt werden? Ein am 16. August 2026 veröffentlichter Überblick von The Conversation spricht dafür, bei Arthrose nicht vollständig auf Aktivität zu verzichten. Bewegung verteilt Gelenkflüssigkeit, versorgt den Knorpel mit Nährstoffen und stärkt die schützende Muskulatur. Ergänzend verweist die US-Orthopädin Abby Cheng von der Washington University School of Medicine in St. Louis auf Bewegung, Gewichtskontrolle und eine ausgewogene Ernährung als Bestandteile eines individuellen Umgangs mit Kniearthrose.
- Arthrose entsteht durch den fortschreitenden Abbau des Knorpels in einem Gelenk.
- Eine Cochrane-Übersicht kam zu dem Ergebnis, dass Bewegung bei Kniearthrose Schmerzen lindert und die Funktion verbessert.
- Schwimmen, Radfahren, Tai-Chi, Yoga und angepasstes Gehen belasten Gelenke vergleichsweise wenig.
- Neue Übungen sollten bei Beschwerden mit Physiotherapeuten oder qualifizierten Bewegungsfachleuten abgestimmt werden.
Weltweit leben dem Überblick zufolge mehr als 500 Millionen Menschen mit Arthrose. Besonders häufig machen sich die Beschwerden in belasteten Gelenken wie Knien, Hüften oder der Wirbelsäule bemerkbar. Das kann nicht nur Schmerzen und Steifheit verursachen, sondern auch Beweglichkeit, Stimmung und Lebensqualität beeinträchtigen.
Bewegung unterstützt Knorpel und entlastende Muskulatur
Gelenkknorpel überzieht die Knochenenden und ermöglicht möglichst reibungsarme Bewegungen. Zusätzlich verringert die zähflüssige Synovialflüssigkeit die Reibung und transportiert Nährstoffe zum Knorpel. Weil Knorpel keine eigene Blutversorgung besitzt, kann er sich jedoch nur eingeschränkt reparieren.
Bewegung hilft dabei, die Synovialflüssigkeit im Gelenk zu verteilen. Zugleich wirken kräftige Muskeln rund um das Gelenk wie Stoßdämpfer. Für das Knie ist insbesondere die vordere Oberschenkelmuskulatur relevant; gezielte Kräftigungsübungen können den Druck auf das Gelenk reduzieren.
Eine Cochrane-Auswertung der verfügbaren Forschung ergab, dass Bewegung bei Kniearthrose Schmerzen reduziert und die körperliche Funktion verbessert.
Dem Überblick zufolge war die Wirkung dabei mit jener entzündungshemmender Medikamente vergleichbar, ohne deren Nebenwirkungen. Das bedeutet nicht, dass Bewegung Arzneimittel grundsätzlich ersetzen kann: Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Beschwerden, Begleiterkrankungen und körperlicher Belastbarkeit ab.
Gelenkschonende Aktivitäten trainieren auch die Balance
Als gelenkschonend gelten Aktivitäten, bei denen mindestens ein Fuß am Boden bleibt oder das Körpergewicht anderweitig getragen wird. Beim Schwimmen oder bei Wassergymnastik kann das Wasser bis zu 90 Prozent des Körpergewichts stützen. Auch Radfahren, Tai-Chi und Yoga kommen infrage, weil sie Bewegung, Muskelkraft und teilweise die Beweglichkeit fördern.
Eine weitere Rolle spielt die Propriozeption – die Fähigkeit des Körpers, seine Position und Bewegung wahrzunehmen. Sie nimmt mit dem Alter ab. Übungen auf wechselnden oder leicht instabilen Untergründen fordern Knie, Hüfte und Sprunggelenk zu ständigen Anpassungen heraus. Eine Studie aus dem Jahr 2026 stellte bei älteren Erwachsenen nach einem solchen Training eine bessere Haltungskontrolle fest. Eine andere systematische Übersicht kam zu dem Ergebnis, dass Gleichgewichtsübungen die Sturzrate um rund 23 Prozent senkten.
In der Praxis heißt das: Schon wenige Minuten angepasster Aktivität können sinnvoller sein als vollständige Schonung – vorausgesetzt, die Übung passt zum Gesundheitszustand.
Der Überblick empfiehlt einen vorsichtigen Einstieg und erreichbare Schwierigkeitsstufen. Genannt werden etwa kurze Gehstrecken auf Gras oder Kies sowie ein zunächst auf festem Boden ausgeführter Einbeinstand. Eine stabile Haltemöglichkeit sollte in der Nähe sein. Auf instabilen Flächen sollte nicht bei Müdigkeit trainiert werden.
Arthrosebehandlung besteht nicht allein aus Bewegung
Zu den Risikofaktoren für Kniearthrose zählt Cheng schwache Beinmuskeln, Übergewicht, höheres Alter, frühere Knieverletzungen und eine familiäre Vorbelastung. Die Fachärztin nennt neben Muskeltraining unter anderem Knieorthesen, entzündungshemmende Medikamente, Injektionen und in manchen Fällen einen Gelenkersatz als mögliche Behandlungen.
Auch das Körpergewicht kann die mechanische Belastung verändern. Cheng zufolge verringert eine Gewichtsabnahme von 10 Pfund (etwa 4,5 Kilogramm) bei einer übergewichtigen Person die Belastung der Knie bei jedem Schritt um 40 Pfund (rund 18 Kilogramm). Zudem empfiehlt sie eine Ernährung mit mehr pflanzlichen und weniger stark verarbeiteten oder zuckerreichen Lebensmitteln.
Für Betroffene bedeutet dies, dass Arthrosemanagement meist aus mehreren Bausteinen besteht. Wer Schmerzen hat oder neu mit Kraft-, Balance- oder Beweglichkeitstraining beginnt, sollte das Programm nach Angaben des Überblicks mit Physiotherapeuten oder entsprechend qualifizierten Fachleuten abstimmen. Falsch ausgeführte tiefe Kniebeugen, Ausfallschritte oder überdehnte Yoga-Positionen können Knie, Rücken oder Schultern zusätzlich belasten.
Welche gelenkschonende Bewegungsform lässt sich für Sie am besten in den Alltag integrieren?




























