Für Landwirte im Süden und Westen Deutschlands fällt die Ernte 2026 besonders schlecht aus: In Baden-Württemberg und Bayern sind die Trockenschäden teils so weit fortgeschritten, dass auch der aktuelle Regen etwa dem Mais nicht mehr hilft. Bundesweit rechnet der Deutsche Bauernverband nach einem trockenen Frühjahr und der Hitze in der zweiten Junihälfte mit 41,9 Millionen Tonnen Getreide. Das sind sieben Prozent weniger als 2025. Wie stark einzelne Betriebe betroffen sind, hängt allerdings erheblich vom Standort ab, weil Niederschläge regional sehr ungleich verteilt waren.
- Die deutsche Getreideernte sinkt gegenüber 2025 um sieben Prozent auf 41,9 Millionen Tonnen.
- Der Ertrag je Hektar liegt neun Prozent unter dem Vorjahreswert.
- Beim Winterraps brach der Flächenertrag um 20 Prozent ein.
- Der Bauernverband fordert unter anderem eine Aufstockung der Düngemittelhilfe auf 180 Millionen Euro.
Raps und Weizen leiden besonders unter der Trockenheit
Die Hitzewelle traf das Getreide in einer empfindlichen Wachstumsphase, in der die Körner normalerweise an Größe und Gewicht zulegen. Neben der geringeren Gesamtmenge verschlechterte sich daher auch die Qualität. Beim Weizen wurden knapp 21 Millionen Tonnen geerntet, rund sieben Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Gerstenernte blieb mit 9,5 Millionen Tonnen zwar auf dem Vorjahresniveau. Dafür musste jedoch eine größere Fläche bestellt werden; der Ertrag pro Hektar sank um vier Prozent. Diese Unterscheidung ist für die wirtschaftliche Bewertung wichtig: Eine stabile Gesamtmenge bedeutet nicht automatisch, dass die Betriebe ebenso produktiv oder rentabel gearbeitet haben.
Am stärksten fiel der Flächenertrag beim Winterraps: Er brach um 20 Prozent ein, während die Erntemenge mit 3,3 Millionen Tonnen knapp 17 Prozent unter dem Vorjahr lag.
Dem Raps setzten neben Hitze und Trockenheit auch Schädlinge wie Erdfloh und Kohlschotenmücke zu. Die Pflanze wird unter anderem für Lebensmittel, Futtermittel und Energie genutzt. Für Kartoffeln werden ebenfalls unterdurchschnittliche Ergebnisse erwartet. Bei Zuckerrüben könnten die Erträge regional um bis zu 25 Prozent geringer ausfallen.
Regen kann einigen späten Kulturen noch helfen
Bei Rüben und späten Gemüsekulturen wie Kohl kann der Regen die Entwicklung noch verbessern. Auch Grünland profitiert, solange es noch nicht vollständig vertrocknet ist. Anders sieht es auf stark geschädigten Flächen aus: Dort kommt der Niederschlag nach Einschätzung von Bauernpräsident Joachim Rukwied zu spät.
Die regionalen Gegensätze reichen bis auf die lokale Ebene. Während einzelne Gewitter die Ernte eines Betriebs verbessern konnten, blieb es mitunter bereits im Nachbarort deutlich trockener. Besonders im Südwesten reichten die Folgen bei einzelnen Kulturen von schwachen Erträgen bis zu vollständigen Ausfällen.
Ein unmittelbarer Preissprung gilt als unwahrscheinlich
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erwartet wegen der geringeren Ernte keine plötzlichen oder starken Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Auch der Deutsche Raiffeisenverband, der 1.600 landwirtschaftliche Genossenschaften vertritt, hält einen großen Preissprung für unwahrscheinlich. Lebensmittelpreise hängen neben der heimischen Ernte unter anderem von Verarbeitung, Transport und Lieferketten ab.
Für Verbraucher bedeutet die schwächere Ernte deshalb nicht automatisch sofort höhere Preise, sie kann den Kostendruck bei knapperem heimischem Angebot aber schrittweise verstärken.
Bei Raps und Zuckerrüben könnte eine geringere Produktion dazu führen, dass mehr Öl oder Zucker importiert werden muss. Zugleich sind Lebensmittel in Deutschland nach Regierungsdaten seit 2020 bereits um mehr als 36 Prozent teurer geworden. Wetterbedingte Ausfälle treffen damit auf ein Preisniveau, das für Haushalte ohnehin deutlich höher liegt als vor einigen Jahren.
Der Bauernverband verlangt vorgezogene EU-Zahlungen
Rukwied warnt, dass einigen Betrieben die Liquidität für Saatgut, Diesel sowie später für Dünger und Pflanzenschutzmittel fehle. Der Bauernverband fordert deshalb, die für Deutschland bereitgestellte Düngemittelhilfe von 60 Millionen auf bis zu 180 Millionen Euro zu erhöhen. Außerdem sollen 80 Prozent der EU-Direktzahlungen bereits im Oktober statt normalerweise Ende Dezember ausgezahlt werden.
Direktzahlungen sind EU-Agrarmittel, die landwirtschaftliche Betriebe erhalten. Eine frühere Auszahlung würde die Ernteverluste nicht ausgleichen, könnte den Höfen aber früher Geld für Bodenbearbeitung und Herbstaussaat verschaffen. Zusätzlich verlangt Rukwied eine niedrigere Besteuerung von Diesel mindestens bis Ende November.
Sollte der Staat betroffene Höfe kurzfristig stärker unterstützen – und wenn ja, eher über Direktzahlungen, Düngemittelhilfen oder günstigeren Agrardiesel?




























