Die Frauen-Bundesliga beginnt am Freitagabend mit dem Spiel zwischen Union Berlin und dem FC Bayern München – und damit mit einer Begegnung, die zentrale Fragen der neuen Saison bündelt. Bayern geht nach vier Meisterschaften in Serie erneut als Favorit ins Rennen. Union will dagegen mit Trainerin Marie-Louise Eta, die als erste Frau in der Männer-Bundesliga Pionierarbeit leistete, die etablierten Kräfte herausfordern. Für die Liga zeichnet sich vor allem hinter den Münchnerinnen sowie im Abstiegskampf mehr Konkurrenz ab. Ob das reicht, um den Wettbewerb dauerhaft attraktiver zu machen, ist jedoch offen.
- Seit der Saison 2022/23 lautet die Reihenfolge an der Spitze stets Bayern vor Wolfsburg und Frankfurt.
- Die Münchnerinnen gewannen die vergangene Meisterschaft mit 16 Punkten Vorsprung.
- Mit dem VfB Stuttgart und dem FSV Mainz 05 kommen zwei ambitionierte Aufsteiger hinzu.
- Die Klubs wollen einen neuen Fernsehvertrag zunächst für zwei Jahre aushandeln.
Ein engeres Rennen um die Plätze zwei bis fünf würde den Konkurrenzkampf beleben, aber noch keine echte Spannung im Kampf um die Meisterschaft garantieren.
Bayern setzt sich weiter von den Verfolgern ab
Der FC Bayern hat seine nationale Vormachtstellung zuletzt deutlich unterstrichen. Neben dem vierten Meistertitel nacheinander holte der Klub erneut das Double, gewann das Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg mit 4:0 und setzte sich auch im Supercup mit 3:0 gegen den VfL durch.
Für Champions-League-Heimspiele soll der Sportpark Unterhaching vorerst als neue Spielstätte dienen. Präsident Herbert Hainer bezeichnete den geplanten vollständigen Ausbau bis 2029 als „Revolution im Frauenfußball“.
Wolfsburg und Eintracht Frankfurt haben derweil Schwierigkeiten, Leistungsträgerinnen zu halten. Der VfL verpflichtete Lara Prasnikar von Utah Royals FC und Mara Alber vom FC Chelsea. Frankfurt holte unter anderem Bundesliga-Torschützenkönigin Larissa Mühlhaus von Werder Bremen.
Werder-Trainerin Friederike „Fritzy“ Kromp erwartet dennoch erneut einen Alleingang des Favoriten. Hinter Bayern sieht sie Wolfsburg, Frankfurt, Leverkusen, Hoffenheim und auch Union im Kampf um die Plätze zwei bis fünf.
Steigende Ablösen verändern den Wettbewerb
Wie stark sich die wirtschaftlichen Bedingungen verschieben, zeigt das Beispiel Werder Bremen. Der Klub erhöhte sein Budget auf rund drei Millionen Euro. Nach Kromps Beobachtung sind fünf- und sechsstellige Ablösesummen inzwischen normal, während ablösefreie Verpflichtungen kaum noch möglich seien.
Erstmals besteht die höchste Spielklasse ausschließlich aus Lizenzvereinen mit einem Profiteam bei den Männern. Diese Strukturen eröffnen grundsätzlich Möglichkeiten zur Quersubventionierung. Für kleinere Standorte bedeutet das zugleich: Wer sportlich mithalten will, benötigt zunehmend professionelle und entsprechend teure Rahmenbedingungen. Sollte ein Mindestgrundgehalt eingeführt werden, würde auch der Personalaufwand weiter steigen.
Damit entfernt sich die Liga weiter von ihren Anfängen. Bei ihrer Gründung 1997 gehörten unter anderem Heike Rheine, der SC Bad Neuenahr und der SV Grün-Weiß Brauweiler zum Wettbewerb.
Stuttgart und Mainz versprechen einen offenen Abstiegskampf
In der unteren Tabellenhälfte könnte die größere Leistungsdichte unmittelbar sichtbar werden. Kromp betrachtet den VfB Stuttgart und den FSV Mainz 05 nicht als klassische Aufsteiger. Stuttgart tritt mit großem Ehrgeiz an, Mainz gelang nach der Kooperation mit dem TSV Schott Mainz innerhalb von drei Jahren der Durchmarsch.
Mainz-Sportchefin Nadine Kreß formuliert das Ziel entsprechend klar: „Wir gehen nicht in die Liga, um eine Ehrenrunde zu drehen und uns wieder zu verabschieden.“ Für die bisherigen Bundesligisten bedeutet das, dass die beiden Neulinge nicht lediglich auf den Klassenerhalt hoffen, sondern den Verdrängungswettbewerb verschärfen könnten.
Abgänge und Fernsehvertrag werden zum Belastungstest
Mehr Spannung im Tabellenkeller allein löst die strukturellen Probleme der Frauen-Bundesliga nicht. Mit Georgia Stanway, Geraldine Reuteler und Selina Cerci zum FC Arsenal, Elisa Senß und Lineth Beerensteyn zu Real Madrid sowie Nicole Anyomi zu den London City Lionesses und Vivien Endemann zum FC Liverpool verlassen erneut profilierte Spielerinnen die Liga.
Bayerns Sportdirektorin Bianca Rech verweist dabei auf die Attraktivität des Wettbewerbs in England: Spielerinnen wollten Konkurrenz und eine attraktive Liga; dort müsse sich Deutschland derzeit hinten anstellen.
Für deutsche Fans bedeutet die Abwanderung, dass mehr sportliche Ausgeglichenheit im Inland nur dann nachhaltig wirkt, wenn die Liga zugleich ihre prägenden Spielerinnen halten kann.
Die Klubs wollen dafür nach der Ausgliederung in den FBL e.V. neue Wege gehen. Der DFB soll die Abspaltung im Herbst bei einem Bundestag beschließen. Anschließend steht unter anderem die Verhandlung eines neuen, zunächst zweijährigen Fernsehvertrags an. Die bisherigen Erlöse liegen bei rund fünf Millionen Euro jährlich. Ein besser dotierter Vertrag könnte den finanziellen Handlungsspielraum vergrößern; allein garantiert mehr Geld jedoch noch keinen ausgeglicheneren Wettbewerb.
Was würde die Frauen-Bundesliga für Sie attraktiver machen: ein offener Titelkampf, stärkere Aufsteiger oder mehr Investitionen in Spielerinnen und Vermarktung?




























