Pennsylvania verschärft mit sofortiger Wirkung den Umgang mit Rechenzentren. Gouverneur Josh Shapiro kündigte am Dienstag in Harrisburg an, die Großprojekte nicht länger bevorzugt durch das Genehmigungsverfahren zu schleusen. Auch eine attraktive Steuerbefreiung soll nur noch gewährt werden, wenn Entwickler festgelegte Anforderungen erfüllen. Sie müssen unter anderem die vollständigen Kosten ihres Strombedarfs tragen, moderne Technik zur Begrenzung des Wasserverbrauchs vorsehen und zunächst die Zustimmung der betroffenen Kommune erhalten. Ein genereller Genehmigungsstopp ist damit allerdings nicht verbunden.
- Rechenzentren verlieren in Pennsylvania ihren bevorzugten Status bei Baugenehmigungen.
- Ohne Zustimmung der jeweiligen Kommune soll der Bundesstaat ein Projekt ebenfalls nicht genehmigen.
- Entwickler müssen für ihre Stromkosten aufkommen und Maßnahmen zur Begrenzung des Wasserverbrauchs darlegen.
- Shapiros Regierung zählt Berichte über mehr als 100 Vorhaben, doch nur fünf Anlagen verfügen laut dem Gouverneur über die nötigen Betriebsgenehmigungen.
Mehr als 100 gemeldete Vorhaben schüren Widerstand
Shapiro begründete den Kurswechsel mit dem wachsenden Unmut in den Kommunen. Seine Regierung habe Berichte über mehr als 100 geplante Projekte gezählt. Viele davon würden nach ihrer Einschätzung wahrscheinlich nie gebaut, weil Finanzierung, Stromversorgung oder Kunden aus der Technologiebranche fehlten.
Die neue Vorgabe verschiebt einen entscheidenden Teil der Kontrolle an die Kommunen: Lehnt die örtliche Ebene ein Rechenzentrum ab, soll auch Pennsylvania keine staatliche Zustimmung erteilen.
Besonders deutlich zeigte sich der Konflikt in Archbald Borough. Dort planen Entwickler sechs Standorte mit insgesamt etwa 50 Serverhallen. Die Vorhaben lösten Widerstand in der Bevölkerung aus; ein Entwickler reichte Klage ein, ein weiterer beantragte den Ausschluss von sechs der sieben Mitglieder des Gemeinderats von Entscheidungen.
Shapiro warf spekulativ auftretenden Entwicklern vor, lokale Amtsträger und Anwohner unter Druck zu setzen und den Charakter der Gemeinden zu bedrohen. Bei seiner Ankündigung verwies er zudem auf ein Projekt, das teilweise auf örtlichen Baseballfeldern entstehen sollte.
Politisch steht der demokratische Gouverneur unter Druck seiner republikanischen Herausforderin Stacy Garrity. Sie erklärte, Shapiro habe selbst den Ausgangspunkt für das Chaos in zahlreichen Gemeinden geschaffen. Der Gouverneur wiederum sagte, die ausbleibende Reaktion des Parlaments habe ihm keine andere Wahl gelassen, als eigenständig zu handeln.
Die neuen Regeln werfen Fragen für Amazons Pläne auf
Unklar ist, welche Folgen die Anordnung für die von Amazon angekündigten Investitionen von 20 Milliarden US-Dollar in Rechenzentrumsstandorte in den Bezirken Bucks und Luzerne hat. Eine Anfrage von Business Insider beantwortete das Unternehmen zunächst nicht.
Genehmigungen und Steuervergünstigungen erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen: Während die Verfahren klären, ob und unter welchen Bedingungen gebaut werden darf, sollen steuerliche Anreize Investitionen für Betreiber attraktiver machen. Pennsylvania verknüpft beide Ebenen nun stärker mit lokalen Entscheidungen sowie den Kosten für Energie und Wasser.
Für Entwickler bedeutet das: Der Zugang zu Fläche allein reicht nicht mehr aus; sie müssen bereits vor der staatlichen Prüfung zeigen, wie das Projekt finanziert, versorgt und vor Ort akzeptiert werden soll.
Rechenzentren werden in mehreren Bundesstaaten zum Wahlkampfthema
Der Streit reicht über Pennsylvania hinaus. In Texas wirft die demokratische Herausforderin Gina Hinojosa dem republikanischen Gouverneur Greg Abbott in einem Fernsehspot vor, die Interessen ländlicher Regionen zugunsten der Rechenzentrumsbranche zu vernachlässigen. Abbott hatte zuvor Regulierer angewiesen, sicherzustellen, dass Haushalte nicht wegen der Anlagen höhere Stromrechnungen zahlen. Außerdem stellte er neue Regeln und eine Überprüfung der dortigen Steuervergünstigungen in Aussicht.
Auch andere Bundesstaaten reagieren. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul ordnete einen einjährigen Stopp für große Rechenzentren an. In Illinois setzte Gouverneur JB Pritzker neue Umsatzsteuerbefreiungen aus, bis strengere Standards beschlossen sind. Arizona verhängte eine dreijährige Pause für eine entsprechende Steuervergünstigung, während in Ohio beide Kandidaten für das Gouverneursamt strengere Anforderungen vorlegten.
Hinter den Konflikten steht der materielle Bedarf digitaler Dienste: KI-Anwendungen und Cloud-Angebote laufen auf realen Servern, die Flächen, Strom und Kühlung benötigen. Für deutsche Nutzer ist der US-Streit deshalb ebenfalls relevant. Er zeigt, dass der Ausbau von KI nicht nur eine Frage von Software und Investitionen ist, sondern auch davon abhängt, wer Infrastrukturkosten trägt und wie viel Mitspracherecht betroffene Gemeinden erhalten.
Sollten Kommunen Rechenzentren wirksam stoppen können, oder braucht der Ausbau der KI-Infrastruktur stärker zentralisierte Entscheidungen? Teilen Sie uns Ihre Einschätzung mit.




























