Gianni Infantino ist der Schweizer Präsident der FIFA, des Weltverbands, der die Fußball-Weltmeisterschaft organisiert und über deren Regeln und Disziplinarverfahren wacht. Nach dem Ende der von Spanien gewonnenen WM in den USA, Kanada und Mexiko hat er nun Medien und andere Kritiker frontal angegriffen. In einem am Montag auf Instagram veröffentlichten offenen Brief warf Infantino ihnen vor, „Hass“ und falsche Informationen zu verbreiten. Das Turnier habe vielmehr Freude, Sicherheit und Zusammenhalt verkörpert und Menschen auf der ganzen Welt begeistert.
- Infantino veröffentlichte seine Verteidigung der WM als 15-teilige Botschaft auf Instagram.
- Während des Turniers wurde die FIFA unter anderem wegen Visaauflagen, Ticketpreisen und des Falls Folarin Balogun kritisiert.
- Nach Angaben des Weltverbands besuchten rund sieben Millionen Menschen aus mehr als 200 Ländern Spiele in 16 Städten.
„Während ihr euch im Hintergrund versteckt, stehen wir bei der FIFA an vorderster Front, organisieren, arbeiten hart und sorgen dafür, dass die beste Show der Welt stattfindet“, schrieb Infantino an seine Kritiker.
Infantino erklärt die WM zum Symbol für Zusammenhalt
Der FIFA-Präsident bezeichnete die Weltmeisterschaft als außergewöhnlichen Erfolg und erklärte, es habe „keine Zwischenfälle, keine Feindseligkeiten, keine Gewalt“ gegeben. Wer die Freude am Fußball nicht wahrgenommen habe, sei zu sehr von Kritik und Hass vereinnahmt gewesen. Seinen Gegnern empfahl er, zu meditieren, zu beten oder ein Fußballspiel anzuschauen. Die Kommentarfunktion unter der Veröffentlichung wurde abgeschaltet.
Die pauschale Darstellung eines vollkommen störungsfreien Turniers steht allerdings in Spannung zu einem laufenden Verfahren des Verbands: Die FIFA teilte mit, sie untersuche eine Auseinandersetzung zwischen Spielern Argentiniens und Spaniens am Ende ihres WM-Finales in New Jersey. Spanien hatte die Partie gegen Argentinien mit 1:0 gewonnen.
Infantino führte außerdem die Teilnahme von Mannschaften aus Ländern mit politischen oder innerstaatlichen Krisen als Beleg für die verbindende Kraft des Fußballs an. Zum iranischen Team schrieb er, dessen Einreise in die USA sei problemlos verlaufen. Iran hatte sein Trainingslager wegen des Kriegs im Nahen Osten jedoch von Tucson im US-Bundesstaat Arizona nach Tijuana in Mexiko verlegen müssen und war für seine drei Gruppenspiele mit zusätzlichen Reiseproblemen konfrontiert.
Visaauflagen und der Fall Balogun belasten die FIFA
Zu den weiteren Streitpunkten gehörten die teilweise hohen Ticketpreise sowie Einreisebeschränkungen für Fans und Offizielle. Dem somalischen WM-Schiedsrichter Omar Abdulkadir Artan wurde die Einreise in die USA verweigert. Infantino hielt dagegen, Kritiker hätten sich auf die abgewiesenen Personen konzentriert, obwohl Millionen Menschen hätten einreisen können.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der Fall des US-Stürmers Folarin Balogun. Er hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien und Herzegowina die Rote Karte gesehen und wäre damit grundsätzlich für das Achtelfinale gegen Belgien gesperrt gewesen. US-Präsident Donald Trump soll Infantino gebeten haben, die Sanktion überprüfen zu lassen. Balogun durfte anschließend spielen.
Infantino betonte, die FIFA-Disziplinarkommission habe unabhängig von Trumps Intervention entschieden. Trump vermittelte dagegen den Eindruck, der FIFA-Präsident habe persönlich Einfluss genommen. In seinem offenen Brief verwies Infantino darauf, dass möglicherweise falsche Karten und spätere Entscheidungen gegen eine Sperre auch in großen Ligen vorkämen und dort weithin akzeptiert würden.
Für die FIFA geht es damit um mehr als eine einzelne Sperre: Der Vorgang berührt das Vertrauen darin, dass sportrechtliche Entscheidungen unabhängig von politischem Einfluss getroffen werden.
Ein Brief an Argentinien sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit
Parallel wurde ein Schreiben Infantinos an den argentinischen Verbandspräsidenten Claudio Tapia bekannt. Darin gratulierte er Argentinien zur Silbermedaille und würdigte die Mannschaft dafür, entscheidend zu einem außergewöhnlichen Turnier beigetragen zu haben. Er lobte Professionalität, Leidenschaft und die Liebe zum Fußball.
Damit bleibt ein deutlicher Gegensatz: Infantino präsentiert die WM als uneingeschränkten Erfolg, während sich die öffentliche Debatte auf konkrete Entscheidungen, Einreisefälle und die politische Nähe der Verbandsspitze konzentriert. Für Fans und beteiligte Verbände bedeutet das, dass nicht allein die Spiele, sondern auch die Nachvollziehbarkeit der FIFA-Verfahren über die Bewertung des Turniers entscheidet.
Wie bewerten Sie Infantinos Rundumschlag: notwendige Verteidigung der WM oder unangemessener Umgang mit berechtigter Kritik?

























