Teslas Robotaxi-Dienst in Austin fährt offenbar inzwischen ohne Sicherheitsbegleiter an Bord. Nach Daten der von Nutzern gespeisten Plattform Robotaxi Tracker wurden in den vergangenen zwei Wochen sämtliche 170 erfassten Fahrten mit 54 verschiedenen Fahrzeugen ohne solche Begleitung durchgeführt. Eine offizielle Bestätigung des Unternehmens gibt es nicht; Tesla veröffentlicht keine detaillierten Flottendaten und beantwortete eine Anfrage von The Verge nicht. Der Schritt fällt in die Vorbereitung auf den geplanten Cybercab-Start noch im August. Für deutsche Leser ist er vor allem ein Praxistest – kein Hinweis auf einen bevorstehenden hiesigen Marktstart.
- Robotaxi Tracker erfasste in zwei Wochen 170 unbegleitete Fahrten mit 54 verschiedenen Tesla-Fahrzeugen.
- Die Daten stammen aus App-Protokollen sowie weiteren öffentlichen und nutzergestützten Quellen.
- Das Cybercab soll Berichten zufolge noch im August zunächst in Austin öffentlich eingesetzt werden.
- Waymo betreibt in Austin mehr als 300 fahrerlose Fahrzeuge.
Überarbeitete Daten zeigen einen größeren Tesla-Einsatz
Robotaxi-Tracker-Gründer Ethan McKanna erklärte gegenüber The Verge, dass in Austin seit einigen Wochen offenbar keine begleiteten Fahrten mehr angeboten würden. Fahrzeuge, die zuvor als beaufsichtigt eingestuft waren, seien inzwischen bei Fahrten ohne Sicherheitsbegleiter bestätigt worden. Berichte von Nutzern auf Reddit und X stützen dieses Bild.
Ein Teil des sichtbaren Anstiegs geht allerdings auf eine Überarbeitung der Datengrundlage zurück. McKanna, der im Sommer als Praktikant im Robotaxi-Team von Tesla arbeitete, zufolge hinkten einige Kennzahlen seiner Plattform hinterher. Robotaxi Tracker wertet vor allem automatisch protokollierte Fahrten von App-Nutzern sowie weitere öffentliche und gemeinschaftlich zusammengetragene Informationen aus.
Die 170 Fahrten sind damit ein starkes Indiz für den veränderten Betrieb in Austin, ersetzen aber keine offizielle Flottenstatistik von Tesla.
Noch in der Vorwoche hatte die Plattform lediglich 28 aktive, unbegleitete Fahrzeuge in sechs Märkten in Texas und Florida ausgewiesen. Auch in Dallas und Houston beobachtete McKanna zuletzt mehr Einsätze; dort waren innerhalb einer Woche zusammen ungefähr 30 fahrerlose Teslas unterwegs. In Austin sind laut Carscoops insgesamt 186 Model Y als Robotaxis registriert.
Ohne Begleiter bedeutet nicht zwingend ohne Menschen
Entscheidend ist die genaue Bedeutung von „unbegleitet“: Gemeint ist zunächst, dass kein menschlicher Sicherheitsfahrer im Auto sitzt. Das belegt nicht automatisch, dass es keinerlei Unterstützung aus der Ferne gibt. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass einzelne scheinbar unbegleitete Tesla-Fahrten mit menschlichen Fernfahrern verbunden waren.
Bei automatisierten Fahrdiensten ist diese Unterscheidung zentral. Ein Sicherheitsbegleiter kann unmittelbar eingreifen, während eine Leitstelle Fahrzeuge aus der Distanz überwachen oder unterstützen kann. Aus den Tracker-Daten allein lässt sich deshalb nicht ableiten, wie Tesla jede Fahrsituation technisch und organisatorisch absichert.
Für einen möglichen Einsatz in Deutschland würde der Betrieb in Texas weder eine Zulassung noch die Übertragbarkeit auf deutsche Verkehrs- und Regelbedingungen belegen.
Das Cybercab soll als Nächstes Fahrgäste aufnehmen
Die Entwicklung in Austin ist besonders relevant, weil Tesla dort noch in diesem Monat das Cybercab in seinen Robotaxi-Dienst aufnehmen will. Nach einem von Carscoops aufgegriffenen Bericht von The Information soll der öffentliche Einsatz auf Erprobungen mit Beschäftigten folgen. Diese durften das Fahrzeug zuvor auf privaten Straßen nahe der Tesla-Zentrale in Austin nutzen.
Das Cybercab ist grundsätzlich als autonomes Fahrzeug ohne herkömmliches Lenkrad und Pedale konzipiert. Zuletzt wurden allerdings Prototypen sowohl mit als auch ohne diese Bedienelemente gesichtet. Welche Variante zunächst in den öffentlichen Dienst kommt, ist daher offen. Vor dem geplanten Einsatz absolvierte Tesla in Austin zudem ein Notfalltraining mit Rettungskräften.
Die Produktion des Cybercab begann dem Bericht zufolge im Juli in Texas; eine Volumenproduktion wird erst für das kommende Jahr erwartet. Tesla wirbt unterdessen mit Einladungen zur Einführung: Wer den bestehenden Robotaxi-Dienst bis zum 23. August nutzt, kann an einer Verlosung für die Veranstaltung teilnehmen.
Im Wettbewerbsvergleich bleibt Teslas Flotte überschaubar. Waymo betreibt allein in Austin mehr als 300 fahrerlose Fahrzeuge und in mehreren Städten insgesamt etwa 4.000. Für Tesla bedeutet der nun beobachtete Betrieb daher vor allem einen technischen und organisatorischen Zwischenschritt vor dem Cybercab-Start, nicht die Führung im Robotaxi-Markt.
Wären Tesla-Robotaxis ohne Begleiter für Sie überzeugend, wenn weiterhin menschliche Fernunterstützung möglich ist?




























