Für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland ist der Streit um die Straße von Hormus vor allem wegen möglicher Folgen für Energie- und Rohstoffpreise relevant: Die Meerenge ist eine zentrale Handelsroute für Öl, Gas und Düngemittel. US-Präsident Donald Trump kündigte am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Garden City im Bundesstaat New York an, das strategische Seegebiet nach einem Sieg über Iran zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären zu wollen. Ob daraus tatsächlich ein neuer Kurs Washingtons folgt, blieb offen. Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi wies den Anspruch umgehend zurück.
- Trump will die Straße von Hormus nach einem Sieg über Iran zum US-Territorium erklären.
- Iran beharrt darauf, dass die Meerenge unter seiner Kontrolle und Hoheit bleibt.
- Die 60-tägige Vereinbarung zwischen Washington und Teheran droht ohne Verlängerung auszulaufen.
- Der beeinträchtigte Schiffsverkehr hat die weltweiten Öl- und Gaspreise steigen lassen.
„Sobald wir Iran besiegt haben – der gerade eine vernichtende Niederlage erleidet –, werde ich die Hormus-Straße zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären“, sagte Trump. Auf seine überraschende Ankündigung folgte die Bekräftigung: „Es ist wahr.“ Einzelheiten dazu, wie ein solcher Anspruch umgesetzt werden sollte, nannte er nicht.
Eine bloße Erklärung Washingtons würde weder die bestehenden Hoheitsansprüche Irans und Omans aufheben noch die Rechtslage in der Meerenge einseitig entscheiden.
Teheran weist Trumps Gebietsanspruch zurück
Gharibabadi erklärte auf der Plattform X, die Straße von Hormus lasse sich weder durch einen Tweet oder einen Befehl noch mithilfe eines Flugzeugträgers oder einer Wahlkampfrede einnehmen. Iran werde sich von Drohungen und Machtdemonstrationen nicht einschüchtern lassen. Die strategische Wasserstraße bleibe unter iranischer Kontrolle und Autorität.
Die Meerenge ist an ihrer schmalsten Stelle etwa 39 Kilometer breit. Iran und Oman beanspruchen jeweils eine Zwölf-Seemeilen-Zone, was ungefähr 22,2 Kilometern entspricht. Dadurch überschneiden sich dort die Hoheitsgewässer beider Anrainer; internationale Gewässer gibt es in diesem Abschnitt nicht. Vor dem Krieg konnten Handelsschiffe die Passage dennoch ohne Gebühren und Abgaben nutzen.
Für die praktische Schifffahrt ist die Unterscheidung zwischen territorialem Anspruch und tatsächlicher Kontrolle entscheidend: Selbst ohne anerkannte Änderung der Grenzen können Blockaden, Angriffe oder Gebühren den Warenverkehr beeinträchtigen. Für Deutschland würde eine anhaltende Störung bedeuten, dass internationale Preissteigerungen bei Energie und Vorprodukten auch hiesige Haushalte und Betriebe treffen könnten.
Die Meerenge bleibt Kernpunkt der festgefahrenen Gespräche
Die USA und Israel begannen den Krieg gegen Iran am 28. Februar. Teheran schränkte daraufhin den Verkehr durch die Straße von Hormus ein und griff Handelsschiffe an. Vor dem Krieg passierte etwa ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von Öl und verflüssigtem Erdgas die Route. Die USA errichteten ihrerseits eine Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen.
Damit ist die Straße von Hormus zugleich militärischer Schauplatz, wirtschaftliches Druckmittel und einer der zentralen Streitpunkte in den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.
In einem Rahmenabkommen wurde festgelegt, dass Iran während 60 Tage dauernder Verhandlungen keine Gebühren für die Passage erheben darf. Über die Zeit danach soll Teheran mit Oman unter Beachtung des internationalen Rechts und unter Einbeziehung der übrigen Anrainer beraten. Eine Einigung ist bislang nicht bekannt; die Frist läuft an diesem Wochenende aus.
Frühere Drohungen blieben ohne Umsetzung
Trump hatte bereits einen Monat zuvor mit einer Maut für die Passage gedroht, diesen Plan aber kurze Zeit später wieder zurückgenommen. Auch territoriale Forderungen gegenüber Grönland, Venezuela und Kuba hatte er öffentlich thematisiert. Deshalb bleibt unklar, ob seine jüngste Aussage eine konkrete politische Initiative ankündigt oder vor allem Teil des Wahlkampfauftritts war.
Der US-Präsident stellte die amerikanische Blockade als Dienst an anderen Staaten dar und forderte seine Landsleute auf, etwas höhere Benzinpreise zu akzeptieren. Steigende Energiepreise und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges dürften auch im Wahlkampf vor den US-Zwischenwahlen eine Rolle spielen.
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