Google hat bei einer Insolvenzauktion interne Daten und Software des eingestellten US-Billigfliegers Spirit Airlines ersteigert. Der Konzern zahlt zehn Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 8,6 Millionen Euro, und will das Material zur Verbesserung seiner Produkte und KI-Modelle verwenden. Zum Paket gehören rund 100 Millionen E-Mails, etwa 500 Millionen Unterhaltungen aus Microsoft Teams sowie Dokumente und Geschäftsdaten. Kunden- und Kreditkarteninformationen seien nicht Teil des Kaufs, erklärte Google. Vor der geplanten Übergabe soll ein weiteres Unternehmen sämtliche personenbezogenen Informationen entfernen.
- Google setzte sich mit einem Gebot von zehn Millionen US-Dollar gegen das KI-Unternehmen Mercor durch.
- Das Paket enthält rund 100 Millionen E-Mails und 500 Millionen Teams-Unterhaltungen.
- Kunden- und Kreditkartendaten werden laut Google nicht übernommen.
- Personenbezogene Informationen sollen vor der Datenübergabe entfernt werden.
Die Insolvenz brachte Spirits interne Bestände auf den Markt
Dem Verkauf ging der wirtschaftliche Zusammenbruch von Spirit Airlines voraus. Die Fluggesellschaft befand sich seit August vergangenen Jahres bereits im zweiten Insolvenzverfahren innerhalb von weniger als zwölf Monaten. Ursprünglich sollte das Verfahren im Sommer mit einer geringeren Schuldenlast beendet werden.
Diese Pläne scheiterten nach Angaben des Unternehmens an den im Irankrieg gestiegenen Kerosinpreisen. Spirit-Chef Dave Davis sprach von einem „plötzlichen und anhaltenden“ Anstieg, der keine andere Möglichkeit als die Einstellung des Betriebs gelassen habe. Anfang Mai stellte die Airline ihren Flugbetrieb ein.
In einem US-Insolvenzverfahren können neben klassischen Vermögenswerten auch Software, Dokumente und Datenbestände verkauft werden. Für Käufer entsteht damit die Möglichkeit, ganze Ausschnitte betrieblicher Abläufe zu erwerben – vorausgesetzt, die rechtlichen und vertraglichen Bedingungen des Verkaufs werden eingehalten.
Ein Bieterwettstreit trieb den Preis auf zehn Millionen Dollar
Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Google zunächst fünf Millionen US-Dollar bot. Das auf KI-Training spezialisierte Unternehmen Mercor erhöhte anschließend auf 5,2 Millionen Dollar und erklärte sich bereit, sieben Millionen Dollar zu zahlen, falls es zunächst die Rohdaten erhalten und diese selbst anonymisieren könnte. Mercors letztlich unterlegenes Gebot lag bei 7,5 Millionen Dollar. Google gewann die Auktion schließlich mit zehn Millionen Dollar.
Der eigentliche Wert des Pakets liegt nicht nur in seiner Größe, sondern darin, dass es reale Kommunikation und Arbeitsabläufe eines Unternehmens abbildet.
Neben E-Mails und Chats umfasst der Kauf Dokumente, Präsentationen, Tabellen, Wissensdatenbanken und Wikis. Hinzu kommen Daten aus zentralen Geschäftssystemen und Anwendungen, darunter Informationen zu Preisgestaltung, Mitarbeiterverhalten und Produktivität. Auch unternehmenseigene Software gehört zum Paket.
Solche Daten können beim KI-Training dazu dienen, betriebliche Prozesse zu simulieren. Für ein Modell bedeutet das potenziell, dass es nicht nur mit öffentlich zugänglichen Texten trainiert wird, sondern auch mit Beispielen dafür, wie Beschäftigte intern Probleme bearbeiten, Informationen austauschen oder Entscheidungen dokumentieren.
Vor der Übergabe steht die Entfernung persönlicher Angaben
Als nächster Schritt ist die Bereinigung des Materials vorgesehen. Google zufolge soll ein weiteres Unternehmen vor der Übergabe alle personenbezogenen Informationen entfernen. Ein Konzernsprecher betonte, Google kaufe interne Daten und individuell entwickelte Software, nicht aber Kunden- oder Kreditkarteninformationen.
Für Beschäftigte und Unternehmen ist diese Trennung entscheidend: Der Fall zeigt, dass interne Kommunikation in einer Insolvenz zu einem verwertbaren Vermögenswert werden kann, während persönliche Angaben zugleich geschützt werden müssen.
Für Firmen in Deutschland macht der Vorgang deutlich, welchen wirtschaftlichen Wert strukturierte Unternehmensdaten inzwischen für die Entwicklung künstlicher Intelligenz haben können. Zugleich würde ein vergleichbares Vorhaben hier stets die Frage aufwerfen, welche Daten überhaupt übertragen werden dürfen und ob eine Anonymisierung eine Identifizierung von Personen zuverlässig ausschließt.
Nach Abschluss der Bereinigung will Google das Spirit-Material nutzen, um eigene Produkte und KI-Modelle zu verbessern. Welche Modelle die Daten erhalten und wann das Training beginnen könnte, geht aus den Berichten nicht hervor.
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