„Das sollte man nicht zu Hause ausprobieren“, warnt Steve Horvath von der University of California, Los Angeles. Anlass ist eine Untersuchung seines Teams mit 32 Erwachsenen ohne bekannte Erkrankungen: Sie nahmen zwölf Tage lang lediglich 200 bis 250 Kalorien täglich zu sich – verteilt auf Fruchtsaft, Gemüsebrühen und Honig. Das Programm fand stationär in einer spezialisierten Klinik unter fortlaufender medizinischer Kontrolle statt. Dabei zeigte sich ein unerwarteter Zusammenhang: Wer zu Beginn im Verhältnis zum tatsächlichen Alter als biologisch jünger eingestuft wurde, verlor tendenziell mehr Gewicht als biologisch ältere Teilnehmer.
- An der Untersuchung nahmen 32 Menschen im Alter zwischen 25 und 72 Jahren teil.
- Die tägliche Energieaufnahme lag zwölf Tage lang bei 200 bis 250 Kalorien.
- Zwölf epigenetische Uhren lieferten teilweise unterschiedliche Ergebnisse.
- Eine kleine Teilnehmergruppe begrenzt die Aussagekraft der Untersuchung.
Der vermutete Mechanismus ist noch nicht geklärt
Horvath zufolge hatte das Forschungsteam den Zusammenhang zwischen biologischem Alter und Gewichtsverlust nicht erwartet. „Ehrlich gesagt wissen wir nicht, welcher Mechanismus dahintersteckt“, sagt er. Als wahrscheinlichste Erklärung nennt er eine bessere metabolische Anpassungsfähigkeit biologisch jüngerer Menschen.
Gemeint ist die Fähigkeit des Körpers, bei knappem Nahrungsangebot rasch von unmittelbar verfügbarer Energie aus Lebensmitteln auf gespeicherte Fettreserven umzuschalten. Die Teilnehmer nahmen ihre wenigen Kalorien in drei Zeitfenstern zu sich: zwischen 7 und 9 Uhr, zwischen 11.30 und 13 Uhr sowie zwischen 18.30 und 20 Uhr. Nach Angaben von Teammitglied Robin Mesnage vom King’s College London versetzte dies ihren Stoffwechsel in einen Fastenzustand.
Paulina Correa-Burrows von der Universität Chile hält die Erklärung grundsätzlich für plausibel. Biologisch jüngere Menschen hätten tendenziell leistungsfähigere Mitochondrien und möglicherweise günstigere zelluläre Signalwege zur Erkennung von Nährstoffen. Beides könnte den Wechsel zur Fettverbrennung erleichtern. Zugleich betont sie, dass die kleine Probandengruppe keine eindeutigen Schlussfolgerungen zulässt.
Für Menschen mit Abnehmwunsch bedeutet das vorerst nicht, dass ein niedrigeres biologisches Alter den Erfolg einer Diät zuverlässig vorhersagt.
Epigenetische Uhren reagierten nicht einheitlich
Das Team setzte zwölf sogenannte epigenetische Uhren ein. Solche Verfahren schätzen das biologische Alter meist anhand chemischer Markierungen auf der DNA. Diese Muster verändern sich mit zunehmendem Alter in einer grundsätzlich vorhersehbaren Weise, können aber auch durch den Lebensstil beeinflusst werden, etwa durch körperliche Aktivität.
Die einzelnen Uhren bewerteten die Fastenkur unterschiedlich. Einige zeigten nach oben und deuteten damit auf eine biologische Alterung hin – möglicherweise als Ausdruck der Belastung durch das stark eingeschränkte Essen. Eine Uhr, die speziell Veränderungen des Body-Mass-Index erfassen soll, zeigte dagegen nach unten.
Abweichungen zwischen epigenetischen Uhren sind ein bekanntes Problem. Die Werte sind daher keine exakte zweite Altersangabe neben dem Geburtsdatum, sondern hängen vom jeweiligen Messmodell ab. Vergleichsweise konsistent war in dieser Untersuchung lediglich der Zusammenhang zwischen einem anfangs jüngeren biologischen Alter und einem höheren Gewichtsverlust.
Die Fastenkur ist nicht als dauerhafte Diät gedacht
Horvath möchte nun untersuchen lassen, ob biologisch jüngere Menschen auch bei weniger restriktiven Ernährungsformen mehr Gewicht verlieren. Die getestete Kur eigne sich ausdrücklich nicht als langfristige Diät und sei auch nicht dafür vorgesehen, sagt der Forscher.
Die Studie liefert damit zunächst eine Forschungsfrage, aber keine neue Abnehmmethode für den Alltag.
Das ist auch deshalb relevant, weil Fasten sehr unterschiedliche Formen umfasst. Beim intermittierenden Fasten wechseln sich normale Essensphasen und Zeiten mit eingeschränkter Kalorienzufuhr ab. Zur 5:2-Methode, bei der an fünf Tagen normal gegessen und an zwei Tagen reduziert wird, kam eine im Februar veröffentlichte Auswertung bestehender Forschung zu dem Schluss, dass sie für die Gewichtsabnahme wahrscheinlich nicht wirksamer ist als gar keine Maßnahme. Die nun untersuchte, zusammenhängende Fastenphase ist davon zu unterscheiden.
Wer sein biologisches Altern günstig beeinflussen möchte, sollte sich laut Horvath an bekannte Empfehlungen halten: nicht rauchen, sich körperlich bewegen, ein gesundes Körpergewicht halten und gute soziale Beziehungen pflegen. Vor jeder wesentlichen Ernährungsumstellung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wie überzeugend finden Sie das biologische Alter als möglichen Faktor für den Erfolg beim Abnehmen?

























