Für Landwirtschaft und Gewerbe in England könnten die Wasserbeschränkungen in den kommenden Wochen strenger werden, falls der dringend benötigte Regen ausbleibt. Die Versorger wollen die Belieferung der Haushalte vorrangig sichern. In weiten Teilen des Landes gelten bereits Verbote für Gartenschläuche; Southern Water hat zudem bei der Regierung eine weitergehende Dürreverordnung beantragt. Fast drei Viertel Englands befinden sich inzwischen im Dürrezustand. Besonders betroffen ist der Süden, wo Flüsse und Stauseen niedrige Pegel aufweisen und ausgetrocknete Böden sowie gestresste Bäume die Folgen der anhaltenden Hitze sichtbar machen.
- Die englischen Stauseen sind derzeit zu 69 Prozent gefüllt.
- Im Juli sank das gespeicherte Rohwasser um 16 Prozent – der stärkste Rückgang seit mindestens 30 Jahren.
- Bei 22 Prozent der Flüsse wurden außergewöhnlich niedrige Pegel gemessen.
- Der Juli war in England der trockenste seit fast zwei Jahrhunderten.
Ein trockener Juli leerte die Reserven ungewöhnlich schnell
Auslöser der Dürre in England ist die Kombination aus sehr hohen Temperaturen und außergewöhnlich geringen Niederschlägen. Die National Drought Group, in der Behörden sowie Organisationen aus Landwirtschaft und Umweltschutz vertreten sind, stuft die Lage als außergewöhnlich ernste, rasch entstandene Dürre ein.
Kaum Regen im Juli und wiederholte Hitzewellen trockneten die Böden schnell aus und ließen die Abflüsse der Flüsse stark zurückgehen. Das heiße, trockene Wetter im Juli und August zehrte zugleich an Stauseen und unterirdischen Wasservorräten – obwohl der vorausgegangene Winter in England nass gewesen war.
Die Stauseen liegen mit einem Füllstand von 69 Prozent derzeit 11,6 Prozentpunkte unter dem Wert, der für diese Jahreszeit zu erwarten wäre.
Nach Einschätzung von Kevin Grecksch von der Universität Oxford wird aktuell mehr Wasser verbraucht, als im gleichen Tempo nachgeliefert werden kann. Der Verlauf des Sommers zeigt damit, dass ein niederschlagsreicher Winter allein nicht garantiert, dass die Vorräte durch eine besonders heiße und trockene Saison reichen.
Die Versorgung ist robuster als während der Dürre von 1976
Der Sommer 2026 dürfte im Vereinigten Königreich der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Kevin Collins von der Open University bewertet Hitze und wiederkehrende Hitzewellen als gravierender als 1976. Zugleich sei das Wasserversorgungssystem heute in einem besseren Zustand als damals, weil Speicher, Infrastruktur und das Vorgehen der Branche bei Trockenheit verbessert worden seien.
Dieser Unterschied ist praktisch bedeutsam: Eine meteorologisch schwerere Lage muss nicht automatisch zu ebenso schweren Ausfällen der Trinkwasserversorgung führen. Entscheidend ist, wie viel Wasser gespeichert werden kann, wie das Netz auf Engpässe reagiert und welche Nutzung zuerst eingeschränkt wird.
Weitere Verbote könnten auch Unternehmen treffen
Die bereits geltenden Gartenschlauchverbote – offiziell als vorübergehende Nutzungsverbote bezeichnet – können den Verbrauch um 5 bis 10 Prozent senken. Eine weitergehende Dürreverordnung würde Beschränkungen für nicht notwendige gewerbliche Tätigkeiten ermöglichen, darunter Autowäsche, Fensterreinigung und die Bewässerung von Betriebsflächen. Weitere Wasserversorger haben angekündigt, bei ausbleibender Besserung ähnliche Schritte zu erwägen.
Versorger können außerdem beantragen, mehr Wasser aus Flüssen und Grundwasserleitern zu entnehmen. Das kann jedoch Lebensräume und Wildtiere zusätzlich belasten. Als nächste Eskalationsstufe sieht das Verfahren eine vom Umweltminister zu genehmigende Notstandsverordnung vor. Sie könnte eine zeitweise, turnusmäßige Unterbrechung der Versorgung von Haushalten und Unternehmen erlauben, wie sie 1976 mit Straßen-Zapfstellen praktiziert wurde.
Kurze Schauer würden die Dürre nicht beenden
Der britische Wetterdienst Met Office erwartet nach der intensiven Hitze zwar kühlere Temperaturen. Ob gerade die am stärksten belasteten Gebiete ausreichend Regen erhalten, bleibt jedoch ungewiss. Selbst einzelne Schauer würden nach Einschätzung des Dienstes nicht genügen, um die Dürre zu lindern. Auch für September besteht das Risiko trockenen und heißen Wetters.
Die ökologischen Folgen sind bereits deutlich: In diesem Jahr wurden fast 250 Vegetationsbrände in Gebieten mit besonderer biologischer Vielfalt gemeldet. Feuchtgebiete und Moore trocknen aus, niedrige Flussstände fördern Algenblüten. Bäume werfen in einem sogenannten falschen Herbst Blätter und teils Äste ab, um ihren Stamm zu erhalten. Besonders gefährdet sind junge Bäume, die in ihren ersten drei Sommern wöchentlich 50 Liter Wasser benötigen.
Für die Natur ist es bereits die dritte Dürre innerhalb von fünf Jahren – dadurch fällt die Erholung von diesem trockenen Sommer schwerer.
Da weite Teile Europas unter ähnlichen Bedingungen leiden, ist die Entwicklung auch für Leserinnen und Leser im deutschsprachigen Raum relevant. Sie macht deutlich, dass Wasserknappheit nicht allein von den Niederschlägen eines Winters abhängt: Wiederholte Hitze, Verbrauch und die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur bestimmen gemeinsam, wie schnell aus trockenem Wetter konkrete Nutzungskonflikte entstehen können.




























