„Entscheidungen und Handlungen innerhalb der FIFA“ hätten zu einem Vertrauensverlust und zu mehr Spaltung im internationalen Fußball beigetragen: Mit dieser Begründung hat der neuseeländische Verband NZF am Freitag seine Unterstützung für FIFA-Präsident Gianni Infantino zurückgezogen. Zugleich verlangt NZF eine unabhängige Prüfung der Umstände rund um den inzwischen verworfenen Plan für private Investoren bei der FIFA. Der Schritt verschärft den Richtungsstreit vor Infantinos angestrebter Wiederwahl 2027 – und bringt Neuseeland in direkten Gegensatz zum ozeanischen Kontinentalverband OFC, der sich ebenfalls am Freitag hinter den Präsidenten stellte.
- New Zealand Football unterstützt Gianni Infantino nicht länger und fordert eine unabhängige Prüfung.
- Der umstrittene Investitionsplan für die FIFA Forward Enterprise wurde inzwischen aufgegeben.
- Ozeaniens Kontinentalverband OFC hält im Gegensatz zu Neuseeland an Infantino fest.
- Infantino, seit 2016 FIFA-Präsident, will 2027 erneut kandidieren.
Neuseeland verlangt mehr Kontrolle und Transparenz
NZF erklärte, der aktuelle Zeitpunkt biete allen FIFA-Mitgliedsverbänden die Gelegenheit, sich für eine stärkere Führungskontrolle, Rechenschaftspflicht und Transparenz einzusetzen. Diese Grundsätze seien entscheidend für das Vertrauen in die Verwaltung des Weltfußballs.
Im Mittelpunkt der Kritik steht das mittlerweile gestrichene Investitionsvorhaben. Es hätte externen Investoren ermöglicht, Anteile an einer kommerziellen FIFA-Tochter mit dem Namen FIFA Forward Enterprise, kurz FFE, zu erwerben. Neuseeland fordert nun, die Umstände dieses Plans unabhängig untersuchen zu lassen.
Damit geht die Forderung des NZF über das Ende des konkreten Investitionsprojekts hinaus: Der Verband stellt grundsätzlich die Entscheidungs- und Kontrollstrukturen innerhalb der FIFA infrage.
Eine solche Unterstützungserklärung entscheidet für sich genommen weder über Infantinos Verbleib im Amt noch über die nächste Wahl. Politisch ist sie dennoch relevant, weil der FIFA-Präsident von den Mitgliedsverbänden gewählt wird. Für Infantino bedeutet jeder öffentlich erklärte Kurswechsel daher, dass seine mögliche Basis für 2027 sichtbarer umkämpft ist.
Ozeaniens Dachverband bewertet Infantinos Bilanz anders
Der Kontinentalverband OFC begrüßte zwar ebenfalls, dass die FIFA den FFE-Vorschlag fallengelassen hat, zog daraus aber einen anderen Schluss. Er würdigte die Fortschritte bei der Entwicklung des Fußballs in Ozeanien unter der FIFA-Führung während des vergangenen Jahrzehnts und stellte sich weiter hinter Infantino.
Die angekündigte Überprüfung solle nach Ansicht der OFC dazu genutzt werden, mögliche notwendige Änderungen zu identifizieren und umzusetzen. Anders als NZF verbindet der Dachverband diese Prüfung somit nicht mit einem Entzug der politischen Unterstützung.
Der Gegensatz zeigt, dass die Trennlinie nicht nur zwischen Kontinentalverbänden verläuft, sondern auch innerhalb einzelner Fußballregionen.
Nationalverbände sind Mitglieder ihrer jeweiligen regionalen Konföderation, können in FIFA-Fragen aber eigene Positionen vertreten. Neuseelands Abweichung von der OFC-Linie macht diesen institutionellen Unterschied praktisch sichtbar.
Europa und Asien fordern einen Führungswechsel
Auch weltweit haben sich inzwischen unterschiedliche Lager gebildet. Die europäische UEFA, die CONCACAF für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik und der asiatische Verband AFC verlangen einen Wechsel an der FIFA-Spitze. Südamerikas CONMEBOL und Afrikas CAF unterstützen Infantino dagegen.
Zu den Verbänden, die eine weitere Amtszeit nicht mehr mittragen wollen, gehören Wales, Finnland, Serbien, Schweden, England, Jordanien, Albanien, Irland und Norwegen. Der norwegische Verband ging noch weiter und forderte Infantinos Rücktritt.
Paraguay, Argentinien und WM-Mitgastgeber Mexiko stellten sich hingegen hinter den FIFA-Präsidenten. Auch Katar, Ägypten, Marokko, Mauretanien, der Libanon und Sudan erklärten gemeinsam ihre „volle Unterstützung“. Sie würdigten Infantinos Bemühungen, den Fußball weltweit voranzubringen, Chancen in allen Regionen auszuweiten und die verbindende Rolle des Sports zu stärken.
Für den europäischen Fußball bedeutet diese Aufteilung, dass die UEFA mit ihrer Forderung nach einem Führungswechsel zwar mehrere Nationalverbände an ihrer Seite hat, die FIFA-Mitglieder global jedoch keineswegs geschlossen auftreten.
Donald Trump warnt die FIFA vor einem Bruch
Unterstützung erhielt Infantino außerdem von US-Präsident Donald Trump. Dieser schrieb auf Truth Social, die FIFA würde einen „schrecklichen Fehler“ begehen, falls sie sich von Infantino trenne. Trump bezeichnete ihn als „fantastisch“ und behauptete, unter seiner Führung sei die erfolgreichste Weltmeisterschaft ausgetragen worden. Ohne Infantino werde das Turnier nie wieder ebenso erfolgreich oder profitabel sein, schrieb der US-Präsident.
Wie sollte die FIFA auf den Vertrauensstreit reagieren: mit einem Führungswechsel oder mit Reformen unter Gianni Infantino?




























