Für Europas Handel rückt mit dem Huthi-Angriff auf Saudi-Arabien neben der Straße von Hormus ein zweiter zentraler Seeweg in den Fokus. Die vom Iran unterstützte Miliz erklärte, sie habe am Samstag Raketen und Drohnen auf Einrichtungen in den saudi-arabischen Städten Janbu und Dschisan abgefeuert. Aus griechischen Sicherheitskreisen hieß es, zwei ballistische Raketen und eine Drohne seien bei Janbu abgefangen worden. Der saudi-arabische Zivilschutz löste in beiden Städten Warnungen aus; Riad äußerte sich zunächst nicht weiter. Vorausgegangen waren Luftangriffe einer von Saudi-Arabien geführten Koalition im Jemen.
- Die Huthi erklärten, Einrichtungen des Ölkonzerns Aramco in Janbu und Dschisan angegriffen zu haben.
- Nach Angaben aus griechischen Sicherheitskreisen wurden zwei Raketen und eine Drohne abgefangen.
- Die Saudi-Koalition hatte zuvor Ziele in der jemenitischen Provinz Hudaida bombardiert.
- Die Huthi haben eine Blockade gegen saudi-arabische Schiffe im Roten Meer ausgerufen.
Raketen und Drohne sollen bei Janbu abgefangen worden sein
Der Militärsprecher der Huthi, Yahya Saree, sagte in einer aufgezeichneten Erklärung, der Angriff habe Aramco-Anlagen in Janbu und Dschisan gegolten. Die Huthi bezeichneten ihn als Reaktion auf die saudi-arabischen Luftschläge im Jemen.
Nach Informationen aus griechischen Sicherheitskreisen fing die saudi-arabische Luftabwehr zwei aus dem Jemen gestartete ballistische Raketen ab, die auf Ölraffinerien in Janbu gezielt haben sollen. Das dort eingesetzte, von griechischem Militärpersonal bediente Patriot-System habe später auch eine Drohne abgeschossen. Berichte über Schäden lagen zunächst nicht vor.
Der Zivilschutz gab für Janbu mehrfach Alarm und teilte später mit, die Gefahr sei vorüber. Auch für das weiter südlich nahe der Grenze zum Jemen gelegene Dschisan wurde eine Warnung ausgegeben.
Beide Seiten machen unterschiedliche Angaben zu den Luftschlägen
Die von Saudi-Arabien geführte Koalition hatte am Freitag Ziele in der von den Huthi kontrollierten Provinz Hudaida angegriffen. Sie erklärte, militärische Einrichtungen zerstört zu haben, von denen eine Gefahr für Handelsschiffe im Roten Meer ausgegangen sei.
Huthi-nahe Medien berichteten dagegen, getroffen worden seien Anlagen der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft sowie die Insel Kamaran. Nach Angaben des von den Huthi kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden zwei Menschen verletzt. Auch über einen Angriff auf den Hafen von Hudaida gab es widersprüchliche Angaben: Die Koalition bestritt, den Hafen getroffen zu haben.
Den Luftschlägen waren Angriffe auf zwei saudi-arabische Öltanker vorausgegangen, zu denen sich die Huthi bekannten. Beim unter saudi-arabischer Flagge fahrenden Schiff „NCC Masa“ wurde nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA der Rumpf leicht beschädigt. Bereits zuvor war der Tanker „Encelia“ angegriffen worden.
Die Blockade betrifft einen direkten Seeweg nach Europa
Die Huthi haben eine maritime Blockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und wollen Schiffe des Königreichs im Roten Meer angreifen. Damit gerät die Meerenge Bab al-Mandab in den Mittelpunkt. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und liegt auf der Route von Asien durch den Suezkanal nach Europa.
Die Eskalation bedeutet, dass zugleich an der Straße von Hormus und am Bab al-Mandab Risiken für zwei wichtige Routen des Energie- und Warenverkehrs bestehen.
Rund zwölf Prozent des Welthandels und etwa ein Viertel des Containerverkehrs passieren die Meerenge am südlichen Ende der Arabischen Halbinsel. Für europäische Importeure würde eine länger anhaltende Einschränkung bedeuten, dass Transporte auf dieser Route unsicherer werden oder alternative Wege benötigen könnten.
Für Deutschland sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung die aktuelle Versorgung mit Rohöl und Mineralölprodukten wie Benzin und Diesel dennoch als gesichert an. Das ist eine Bewertung der gegenwärtigen Lage; eine weitere Ausweitung der Angriffe könnte die Risiken für Schifffahrt und Energiehandel jedoch erhöhen.
Trump hat über größere Angriffe auf Iran noch nicht entschieden
Die Auseinandersetzung am Roten Meer ist Teil des breiteren Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran. Nach 13 aufeinanderfolgenden Nächten mit US-Angriffen auf iranische Ziele kündigte das US-Militär am Samstag zunächst keine neuen Schläge an.
US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe noch keine Entscheidung über eine größere Operation gegen Iran getroffen. Washington und Teheran seien im Gespräch; zugleich drohte Trump Iran und den verbündeten Huthi mit schwereren militärischen Maßnahmen. Damit bleibt offen, ob die Pause bei den US-Angriffen zu einer Entspannung führt oder der Konflikt an weiteren Schauplätzen eskaliert.

























