Berkeley Earth ist eine gemeinnützige Organisation aus Kalifornien, die nun vor einem außergewöhnlich starken Super-El-Niño warnt. Nach ihren Angaben sagen 90 Prozent von Hunderten Simulationen aus 14 Prognosemodellen für den tropischen Pazifik Temperaturen voraus, die in der 150-jährigen Beobachtungsreihe nicht erreicht wurden. Der sich derzeit entwickelnde El Niño dürfte demnach auf 3,6 Grad über dem Durchschnitt steigen. Der bisherige Höchstwert aus den Jahren 2015 und 2016 liegt bei 2,75 Grad. Zeke Hausfather von Berkeley Earth bezeichnete die Ergebnisse bei einer Medieninformation am 23. Juli als überraschend.
- Die Modellprognosen erwarten einen Höchststand von 3,6 Grad über dem Durchschnitt im tropischen Pazifik.
- Die Oberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik liegen bereits 2,1 Grad über dem Mittel.
- Berkeley Earth hält 2027 eine globale Temperatur von 1,7 Grad über dem vorindustriellen Niveau für wahrscheinlich.
Selbst der Median aller Modelle liegt laut Hausfather noch 0,8 Grad über dem bisherigen El-Niño-Rekord.
Die Entwicklung verläuft bereits schneller als bei früheren Ereignissen. Im zentralen und östlichen Pazifik wurden 2,1 Grad über dem Durchschnitt gemessen. Zum vergleichbaren Zeitpunkt des El Niño von 1997 und 1998 waren es 1,6 Grad.
Damit hat das aktuelle Ereignis bereits einen Monat nach seinem Beginn die Kategorie eines sehr starken oder „Super“-El-Niño erreicht. Da das Phänomen gewöhnlich erst im späten Herbst oder Winter seinen Höhepunkt erreicht, halten die Fachleute sogar einen Anstieg von mehr als 3 Grad für möglich. Solche Ereignisse werden mitunter als „Godzilla“-El-Niño bezeichnet.
Schwächere Passatwinde verschieben Wärme und Regen
El Niño ist Teil eines natürlichen Klimazyklus im tropischen Pazifik. Normalerweise treiben östliche Winde warmes Oberflächenwasser in Richtung Westpazifik. Lassen diese Winde nach, fließt ein Teil des warmen Wassers wieder nach Osten. Dadurch verschieben sich auch die Niederschlagsgebiete, was die Luftströmungen zusätzlich abschwächen und den Prozess verstärken kann.
Das natürliche Phänomen trifft diesmal auf eine bereits deutlich erwärmte Erde. Berkeley Earth beziffert die gegenwärtige globale Erwärmung auf mehr als 1,4 Grad. Der El Niño fügt dieser langfristigen Entwicklung vorübergehend zusätzliche Wärme hinzu, die sich innerhalb einiger Monate vom Pazifik auf die globale Durchschnittstemperatur auswirken kann.
Für 2027 hält Berkeley Earth einen globalen Mittelwert von 1,7 Grad über dem vorindustriellen Niveau für wahrscheinlich; auch 2026 könnte bereits den bisherigen Jahresrekord von 1,5 Grad aus dem Jahr 2024 übertreffen.
Robert Rohde von Berkeley Earth erwartet zudem, dass der über 20 Jahre gemittelte Temperaturwert bis 2029 die Marke von 1,5 Grad überschreiten dürfte. Für die Einordnung ist diese Mittelung entscheidend: Ein einzelnes besonders warmes Jahr ist nicht mit einer langfristigen Überschreitung des im Pariser Abkommen verankerten Klimaziels gleichzusetzen.
Die Folgen unterscheiden sich stark nach Region
Ein starker El Niño führt nicht überall zu denselben Wetterbedingungen. Für den dicht besiedelten Süden Chinas warnen Prognosen vor kräftigen Regenfällen im Frühjahr und Sommer sowie einem höheren Hochwasserrisiko am Jangtse. Beim Super-El-Niño 1997 und 1998 kamen durch Überschwemmungen an dem Fluss mehr als 3000 Menschen ums Leben.
Im Nordosten der USA treten während El Niño tendenziell trockenere, im Süden des Landes dagegen feuchtere Bedingungen auf. In Kalifornien können dadurch Schlammlawinen begünstigt werden. Australien trocknet häufig stärker aus, was die Gefahr von Buschbränden erhöht. Für Indien, das südliche und zentrale Afrika sowie Teile Mittel- und Südamerikas besteht dagegen ein Dürrerisiko.
Für weniger direkt betroffene Länder wie Großbritannien bedeutet das nicht automatisch vergleichbare Wetterfolgen. Mögliche Ernteausfälle in betroffenen Regionen könnten jedoch über den internationalen Handel auch dort spürbar werden: Berkeley Earth nennt Reis, Kaffee und Schokolade als Waren, deren Preise bei Dürren steigen könnten. Das zeigt, dass ein Super-El-Niño selbst weniger direkt betroffene Länder über Lieferketten und Rohstoffmärkte erreichen kann.
Stärkere Erwärmung verschärft die Risiken
Auch Ökosysteme geraten unter Druck. Starke El-Niño-Ereignisse können großflächige Korallenbleichen auslösen, die nach Einschätzung der Fachleute auch diesmal zu erwarten sind.
Ob El-Niño-Ereignisse selbst durch den Klimawandel stärker werden, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt: Einige Untersuchungen weisen darauf hin, andere kommen zu abweichenden Ergebnissen. Klarer ist die grundsätzliche Bedeutung des wärmeren Ausgangsniveaus. Je stärker sich die Erde erwärmt, desto gravierender können zusätzliche Hitzeimpulse und regionale Veränderungen der Niederschläge ausfallen.
Wie sollte sich Deutschland auf mögliche Folgen eines Super-El-Niño für Lebensmittelpreise und Klimavorsorge einstellen? Teilen Sie Ihre Einschätzung.

























